Bescheid wissen

Es gibt unendlich viele Fragen,

wenn ein Baby unterwegs ist. Die wichtigsten Fragen zum Thema „Alkohol und Schwangerschaft“ haben wir hier zusammengetragen.

Die kurzen Antworten auf Ihre häufigsten Fragen (FAQ) können natürlich nur eine erste, allgemeine Orientierung geben und nicht auf Ihre besondere Situation eingehen. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Hebamme, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schwangerschaftsberatungsstellen! Sie alle beraten vertraulich zu den ganz persönlichen Fragen, den es gilt: Bescheid wissen.
Welche Einrichtungen dafür in Ihrer Region bereitstehen, haben wir Ihnen auf dieser Seite zusammengestellt. Selbstverständlich können Sie die Beratung auch online in Anspruch nehmen, virtuelle Beratungsstellen finden Sie hier.
Weiterführende Informationen aus verlässlichen Informationsquellen erhalten Sie unter den untenstehend aufgeführten Links.

Ihre Fragen & Antworten

Ich wünsche mir ein Baby, bin aber noch nicht schwanger. Soll ich jetzt schon auf Alkohol verzichten?

Kurze Antwort: Ja.
Expertinnen und Experten empfehlen bereits Frauen mit Kinderwunsch, möglichst komplett auf Alkohol zu verzichten.

Warum das sinnvoll ist:

  • Alkohol kann den Zyklus, die Qualität der Eizelle, den Eisprung und damit die allgemeine Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
  • Der Konsum von Alkohol erhöht das Risiko für Fehl-, Tot- und Frühgeburten.
  • Viele Schwangerschaften werden erst Wochen nach der Befruchtung bemerkt. So lässt sich eine ungewollte Schädigung in den ersten Wochen vermeiden.
  • Übrigens: Auch Männer sollten bei Kinderwunsch ihren Alkoholkonsum reduzieren oder ganz darauf verzichten. Denn Alkohol kann die Spermienqualität, Potenz und somit die allgemeine Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen. Außerdem macht der gemeinsame Verzicht es auch der Partnerin leichter.

Ich habe Alkohol getrunken, als ich noch gar nicht wusste, dass ich schwanger bin. Jetzt mache ich mir große Sorgen, dass das Baby nicht gesund ist.

Sorgen sind verständlich, aber nicht immer entstehen Schäden, wenn früh in der Schwangerschaft Alkohol getrunken wurde. Die Frage, welche Folgen Alkoholkonsum ganz früh in der Schwangerschaft hat, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Bevor Sie sich zu viele Sorgen machen, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Es ist nicht möglich, exakt vorherzusagen, ob und wie stark ein Kind durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft geschädigt wird. Denn neben der Menge und dem Zeitpunkt des Alkoholkonsums spielen weitere Faktoren wie Ernährung, Lebensstil, genetische Grundvoraussetzungen oder Begleiterkrankungen eine Rolle. 
  • Verzichten Sie ab sofort vollständig auf Alkohol – das reduziert das Risiko für alkoholbedingte Schäden.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt über Menge und Zeitpunkt des Konsums. Sie können Ihnen helfen, das Risiko besser einzuschätzen und bei Bedarf Sie weiter zu unterstützen.

Eine Schwangerschaft wird meist von Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung gerechnet. Da Eisprung und Befruchtung jedoch erst etwa zwei Wochen später erfolgen, ist der Embryo – später der Fötus – ungefähr zwei Wochen jünger, als es die Zahl der Schwangerschaftswochen (SSW) vermuten lässt. Das ist wichtig zum Verständnis der folgenden Informationen.

In den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung – also etwa in der 3. und 4. Schwangerschaftswoche laut dem Mutterpass – kann das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ greifen. Ist die Schädigung in dieser Zeit nicht sehr schwerwiegend, können gesunde Zellen die Funktion beschädigter Zellen ausgleichen. Wird eine befruchtete Eizelle in dieser Zeit dagegen schwer geschädigt, teilt sie sich nicht weiter, nistet sich nicht ein und wird in der Regel mit einer Blutung abgestoßen, die oft als leicht verspätete Regelblutung wahrgenommen wird. Aber in seltenen Fällen kommt es jedoch nicht dazu: Die geschädigte Eizelle kann dann überleben und sich zu einem heranwachsenden Kind mit pränatalen Alkoholschädigungen entwickeln.

Ab dem 15. Tag nach der Befruchtung – also ab etwa der 5. Schwangerschaftswoche laut dem Mutterpass – beginnt eine sehr empfindliche Phase. Ab diesem Zeitpunkt spezialisieren sich die Zellen des heranwachsenden Kindes und bilden Gewebe sowie Organe. Die Funktionen können dann nicht mehr so einfach durch andere Zellen übernommen werden, und im Fall einer Schädigung durch Alkohol kann es zu Fehlbildungen oder Störungen kommen. Insbesondere ab diesem Zeitpunkt und während der restlichen Schwangerschaft ist es wichtig, ganz auf Alkohol zu verzichten, um die Entwicklung des Kindes zu schützen.

Es ist also davon auszugehen, dass die meisten Schwangerschaften, in denen in den ersten zwei Wochen nach der Empfängnis wenig Alkohol konsumiert wurde, gesund verlaufen können. Die Risiken für Folgeschäden sinken zudem deutlich, wenn ab Bekanntwerden der Schwangerschaft konsequent auf Alkohol verzichtet wird.

Ab und zu mal ein Glas Wein – macht das etwas aus?

Kurze Antwort: Ja – es gibt keine sichere Alkoholmenge in der Schwangerschaft.

Je mehr und je häufiger Alkohol getrunken wird, desto größer ist das Risiko für gesundheitliche Schäden. Auch kleine Mengen Alkohol können dazu führen, dass sich das Baby nicht gesund entwickelt.

Gehen Sie deswegen auf Nummer sicher: Schwanger? 100 % Alkoholverzicht, null Promille – für die Gesundheit Ihres Kindes!

Alkoholfreies Bier & Co. – ist das auch ein Risiko?

Die Bezeichnung „alkoholfrei" dürfen laut Gesetz nur Getränke tragen, die nicht mehr als 0,5 Vol.-% Alkohol enthalten – das sind 4 Gramm pro Liter. Alkoholfreies Bier, Wein, Sekt oder ein Spirituosen-Ersatzprodukte kann daher – je nach Hersteller – noch geringe Mengen Alkohol enthalten. Ähnlich ist das bei einigen Fruchtsäften, die bei der Gärung Alkohol entwickeln. Liegt der Alkoholgehalt unter 0,5 Vol.-%, muss dies auf der Verpackung nicht angegeben werden, der geringe Alkoholgehalt ist also beim Einkauf nicht immer erkennbar.

Sicher sind Produkte mit der Kennzeichnung „0,0 Vol.-%“. Auch die Bezeichnung „ohne Alkohol" darf ein Lebensmittel nur tragen, wenn der Alkoholgehalt 0,0 % beträgt.  Achten Sie beim Kauf auf diese Angabe – das gilt auch für alkoholfreie Cocktails oder SpirituosenErsatzprodukte.

Fragen Sie in Bars und Restaurants lieber nach, ob das bestellte Getränk die Kennzeichnung „0,0 Vol.-%“ trägt oder mit einem Ersatzprodukte (Sekt, Wein, Rum, Vodka, Gin) ohne Alkohol mit der Kennzeichnung „0,0 Vol.-%“ gemischt wurde.

Obwohl ich es möchte, schaffe ich es nicht, ganz auf Alkohol zu verzichten. Was kann ich tun?

Es gibt Lebenslagen, in denen es sehr schwierig ist, aus eigener Kraft auf Alkohol zu verzichten. In dieser Situation Hilfe zu suchen, ist nicht etwa ein Eingeständnis von Schwäche, sondern vielmehr ein Zeichen von Stärke.

  • Sprechen Sie offen mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt darüber.
  • Kontaktieren Sie eine lokale Suchtberatungsstelle oder psychosoziale Beratungsangebote.
  • Informieren Sie sich über Unterstützungsangebote in Ihrer Region

In Bayern gibt es ein dichtes Netz von Einrichtungen, die Sie beraten, begleiten und gegebenenfalls auch behandeln. Informationen zu Beratung und Hilfe finden Sie hier.

Sind durch Alkohol entstandene Schäden heilbar?

Kurze Antwort: Nein.
Schäden durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft können nicht geheilt werden.

Früh erkannte Beeinträchtigungen können durch Therapien, Förderung und Unterstützung besser bewältigt werden. Eine frühzeitige korrekte Diagnose und gezielte Hilfe verbessern die Lebensqualität und den Alltag betroffener Kinder und Familien.

Welche Schäden können meinem ungeborenen Baby zugefügt werden, wenn ich in der Schwangerschaft Alkohol trinke?

Alkohol ist ein Zellgift und kann in jeder Phase der Schwangerschaft auf den Organismus des ungeborenen Kindes einwirken. Damit stellt er ein Gesundheitsrisiko für die Entwicklung dar.

Alkohol erhöht das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten und kann sich negativ auf das Geburtsgewicht und die kognitive Entwicklung des Kindes auswirken. Ebenso kann Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zu komplexen neurologischen und psychiatrischen Beeinträchtigungen führen. Folgen, Symptome und Ausprägungen der vorgeburtlichen Alkoholschädigung sind divers. Sie werden unter dem Oberbegriff der „Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD)“ zusammengefasst.  Das Vollbild „Fetales Alkoholsyndrom“ zeigt sich durch Wachstumsstörungen, typische Auffälligkeiten im Gesicht und Schäden des zentralen Nervensystems.

Die Beeinträchtigungen durch FASD können sich überall im Alltag bemerkbar machen.  Zum Beispiel in der Schule, wenn Betroffene nur sehr langsam Lernstoff verinnerlichen können, Gelerntes häufig nicht abrufen und sich schlechter konzentrieren können. Sie können Handlungen und Situationen nicht altersentsprechend richtig einschätzen, können schnell überfördert sein oder Wutausbrüche haben. Dadurch können sich konflikt- oder gefährliche Situationen häufen und der Aufbau und die Pflege von Freundschaften schwerfallen. 

Nicht alle Menschen mit FASD sind gleich stark betroffen. Wichtig ist für alle eine angepasste und frühe Förderung sowie ein stabiles Umfeld.

Ab wann kann man durch Alkohol entstandene Schäden beim Kind sehen?

Schwerwiegende Fehlbildungen oder Wachstumsstörungen lassen sich manchmal bereits vor der Geburt im Ultraschall feststellen. Eine sichere Diagnose einer Fetale Alkoholspektrum (FASD) ist in der Regel erst nach der Geburt möglich und zeigt sich manchmal erst Monate oder Jahre später.

Wie gefährlich ist Alkohol in Pralinen oder anderen Lebensmitteln?

Es gibt keinen Grenzwert, ab dem Alkohol schadlos konsumiert werden kann. Daher sollten Schwangere auf alkoholhaltige Pralinen und mit Alkohol zubereitete
(Süß-)Speisen oder Lebensmittel (wie z. B. Bratensoßen, Tiramisu oder Rumkugeln) zum Wohle ihres ungeborenen Kindes konsequent verzichten.

Wenn Sie die Speisen nicht selbst zubereitet haben, fragen Sie lieber nach, ob z. B. die Soßen oder Süßspeisen mit einem alkoholischen Getränk zubereitet wurden. Nicht allen Personen in Ihrem Umfeld oder in der Gastronomie ist es bewusst, dass Alkohol in kleine Mengen wie z. B. in Lebensmitteln für Schwangere und das ungeborene Kind riskant sein können.

Links:
Informationen aus verlässlichen Quellen

  • Deutsches FASD Kompetenzzentrum Bayern: Beratung und Informationen für zukünftige Eltern, Familien und Fachkräfte zum Thema Alkoholkonsum oder anderen Drogen in der Schwangerschaft sowie zur Diagnose und Begleitung von FASD Betroffenen.
  • Alkohol? Kenn dein Limit. BIÖG: Informationen zu Risiken von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und der Stillzeit.
  • Rauchfrei! BIÖG: Informationen zu Risiken vom Rauchen und Nikotinkonsum während der Schwangerschaft und der Stillzeit.
  • Familienplanung.de BIÖG: Informationen rund um die Themenbereiche Schwangerschaft und Geburt, Verhütung, Kinderwunsch, Schwangerschaftskonflikt sowie Beratung und Hilfe.
  • schwanger-in-bayern.de: Informationsportal vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales rund um das Thema Schwangerschaft.
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