Großstadt oder Land – wo lebt es sich mit Kindern besser?

Familienalltag in einer Kleinstadt – Leben mit Kindern außerhalb der Großstadt

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Diese Frage beschäftigt mich schon seit langem, gerade hier in München, wo Wohnraum knapp ist und viele Familien überlegen, ob Stadt oder Land mit Kindern langfristig die bessere Wahl ist.

Gestern traf ich zufällig eine befreundete Mama wieder. Sie wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern, also zu viert, in einer Dreizimmerwohnung – wie so viele Familien, die ich kenne.

Da sie ein Pärchen haben, hat ihr Sohn, der langsam ins Teenageralter kommt, inzwischen das Wohnzimmer für sich eingenommen, erzählte sie mir. Damit haben Kinder und Eltern nun jeweils ein eigenes Zimmer, doch außer der Küche steht ihnen kein Raum mehr für gemeinsame Aktivitäten oder Feiern zur Verfügung.

Ihr Sohn besucht das Gymnasium um die Ecke, auch die jüngere Tochter hat ihre Freunde im Viertel. Ein Umzug würde bedeuten, all das aufzugeben und noch einmal ganz neu anzufangen.

Offenbar haben sie sich der aktuellen Wohnungsmarktsituation ergeben, vermute ich. Denn Wohnungssuche bedeutet: Denn Wohnungssuche mit Kindern bedeutet: wenig verfügbare Angebote – und das meist zu deutlich höheren Mietpreisen.

Leben auf kleinstem Raum – unser Start ins Familienleben

Mit Wohnen auf kleinstem Raum kenne ich mich aus. So sind wir ins Familienleben gestartet – so sollte es aber nicht bleiben.

Doch dann kam Corona, mitten während meines zweiten Kinderwunschs. Aus Erfahrung wussten wir: Ein Baby braucht nicht viel Platz. Wir ordneten die Möbel neu, installierten ein Hochbett für unsere Älteste. Das Beistellbett fürs Baby nahm kaum Raum ein.

Neue Perspektiven, neue Fragen

Jetzt haben sich die Karten erneut gemischt. Mein Partner arbeitet seit knapp einem Jahr in Österreich, in der Nähe des Bodensee.

Eine gute Gelegenheit, sich neuen Perspektiven zu öffnen: der Sehnsucht nach mehr Freiheit, mehr Natur – und vor allem mehr Wohnraum.

Haus auf dem Land in Österreich – Wohnungsbesichtigung mit Kindern
Foto von Alisa

Doch fühlen wir uns tatsächlich dazu bereit, nach so langer Zeit die Großstadt zu verlassen und langfristig raus aufs Land zu ziehen? Und ist es dort überhaupt leichter, eine größere Wohnung zu einem fairen Preis zu finden? Erfahrungsgemäß kann ich sagen: Nein.

Auch auf dem Land sind entsprechende Wohnungen rar gesät, und manche Vermieter wünschen sich für ihre Drei- oder Vierzimmerwohnungen lieber ein kinderloses Paar – ohne Haustiere. Angebot und Nachfrage eben. Dafür gibt es etliche Anzeigen von Mietgesuchen.

Das gilt auch für das Umland von Städten wie Ravensburg, Lindau oder Wangen im Allgäu. Die Nachfrage nach Wohnungen ist so groß, dass überforderte Vermieter – ähnlich wie in München – erst gar keine weiteren Besichtigungstermine anbieten oder sich auf Anfragen nicht mehr zurückmelden.

Denn obwohl wir unseren Radius sehr weit halten, kommen nur wenige neue Angebote rein, die für eine Familie mit zwei jungen Kindern geeignet wären.

Landleben mit Kindern: romantische Vorstellung vs. Realität

Bei jedem Wohnungsangebot, für das wir uns ernsthaft interessieren, richte ich in Gedanken schon die Zimmer ein. Besonders ansprechend fände ich ein Stück Garten, in dem sich die Kinder austoben können. Doch solche Wohnungen sind meist nur in kleineren Dörfern zu finden.

Und dann kommen wieder Zweifel auf. Denn das Landleben mit Kindern hat sicher auch Nachteile …

Aktuell leben wir mitten im Zentrum von München. Alles ist nur wenige Gehminuten oder Haltestellen entfernt. Der Münchner Zoo und das Verkehrsmuseum sind regelmäßige Ausflugsziele. Mein Auto brauche ich im Alltag gar nicht.

Unser Schulkind trifft sich selbstständig mit Freunden. All das stelle ich mir in einem kleinen Dorf deutlich schwieriger vor.

Kultur und was uns sonst noch fehlen würde

Was mir beim Gedanken ans Landleben ebenfalls immer wieder durch den Kopf geht, ist die geringere Vielfalt an kulturellen und sportlichen Angeboten. Bereits ab der Schwangerschaft gibt es in der Stadt Kursangebote in Hülle und Fülle – vom Schwangerschaftsyoga über Babymassage bis hin zu Musicalkursen für Kleinkinder.

In einer Großstadt wie München ist es selbstverständlich, spontan in die Bibliothek oder ins Kino zu gehen – Filme werden dort sogar in verschiedenen Sprachen gezeigt. Dazu kommen unzählige Spielplätze, Ausstellungen und Veranstaltungen für die ganze Familie. Vieles ist zu Fuß erreichbar oder mit den Öffentlichen – oft ganz ohne große Planung.

Das Landleben stelle ich mir entschleunigter, aber auch begrenzter vor. Häufig ersetzen dort Vereine das kulturelle Programm – was schön sein kann, wenn man sich aktiv einbringen möchte und Anschluss findet. Gleichzeitig hat das Dorfleben auch Qualitäten, die man in der Stadt vergeblich sucht: mehr Nähe zur Natur, weniger Reizüberflutung, vielleicht auch ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Kinder wachsen freier auf, draußen, in der Natur statt auf städtischen Spielplätzen.

Und doch bleibt diese Sorge, ob sie später genug Auswahl haben – an Interessen, an Impulsen, an Wegen, sich auszuprobieren. Ob sie nicht früher das heimische Nest verlassen möchten, um doch wieder Großstadtluft zu schnuppern – so wie ich es einst tat.

Vielleicht ist es genau dieses Spannungsfeld, das unsere Entscheidung so schwer macht: die Sehnsucht nach Ruhe und Raum auf der einen Seite – und die Angst, auf etwas zu verzichten, das unseren Alltag bislang so selbstverständlich bereichert hat.

Landleben mit Kindern – mehr Platz, aber längere Wege

Jüngst hatten wir sogar ein Haus zu einem erschwinglichen Preis gefunden. Es lag jedoch mitten im Gewerbegebiet eines Dorfes – ohne jegliche Infrastruktur.

Von der großen Wohnfläche und der Möglichkeit, naturverbunden zu leben, schweiften meine Gedanken in die Zukunft: Wie würden die Kinder zu ihren Freunden kommen? Zu ihren Hobbys? Zu Ärzten? Zum Lebensmitteleinkauf?

Plötzlich sah ich mich täglich im Auto sitzen – als persönlicher Chauffeur.

Wohnungssuche – mit Kindern leider kein Vergnügen

Doch auch in größeren Städten, die eine ähnliche Lebensqualität wie München versprechen, ist die Wohnungssuche kaum einfacher. Gerade im vom Tourismus geprägten Allgäu und Bodenseeraum sind Angebote rar.

Familienalltag in einer Kleinstadt – Leben mit Kindern außerhalb der Großstadt
Foto von Alisa

Immer wieder wanke ich zwischen der Sehnsucht nach mehr Natur in einer kleineren Gemeinde und interessanten kulturellen Angeboten der größeren Städte wie Bregenz.

Eigentlich bin ich mit unserer Wohnlage hier in München sehr zufrieden. Ich könnte mich sogar räumlich einschränken – doch zwei Zimmer zu viert sind auf Dauer einfach nicht mehr tragbar. Egal, wie oft ich die Möbel umstelle. Eine neue Bleibe ist unabdingbar.

Und wenn wir unser Viertel ohnehin verlassen müssten – an den Stadtrand oder ins Umland, wo wir niemanden kennen –, stellt sich unweigerlich die Frage:
Warum dann nicht gleich ganz woanders neu starten? Vielleicht doch etwas ländlicher?

Kürzlich bin ich auf folgendes Angebot gestoßen: Wohnung mit Gartennutzung in einer kleinen Gemeinde mit ein wenig Infrastruktur, unweit von Friedrichshafen. Vielleicht eine Möglichkeit, das Beste aus beiden Lebensräumen zu verbinden – für einen Neuanfang als Familie außerhalb der Großstadt.

Wir haben eine Anfrage gestellt. Noch ist alles offen. Aber die Suche hat begonnen.

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