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Manchmal sind es keine großen Themen, die uns als Eltern beschäftigen, sondern die leisen.
So wie dieses eine: Mein Kind ist schon über drei – und immer noch nicht windelfrei.
Mein ehrlicher Erfahrungsbericht über Alltag, Zweifel und Vertrauen in den eigenen Weg.
Meine Intention, nah an der Natur zu sein
Bevor ich Mama wurde, hatte ich keinerlei Erfahrung im Umgang mit Kindern. In meinem Umfeld gab es keine Familien, und ich selbst hatte mich nie intensiv damit beschäftigt – mein Kinderwunsch war lange nicht sehr ausgeprägt.
Seit Beginn der Schwangerschaft folge ich meiner Intuition. Sie hat mich dahin geführt, mit der Natur zu gehen. Hausgeburt, Langzeitstillen, Barfußschuhe und Naturkindergarten – all das hat sich ganz selbstverständlich ergeben. Nach meinem Empfinden würde auch ein frühes Windelfrei-Sein gut dazu passen. In der Praxis ist es allerdings so, dass ich als alleinerziehende Mama auf meine Ressourcen achten darf – und meine Kräfte sind begrenzter als in klassischen Familien mit Mama und Papa.
Bei einer Mama-Freundin habe ich das Praktizieren des Abhaltens in Kombination mit Stoffwindeln kennengelernt. Theoretisch finde ich das sehr stimmig. Gleichzeitig dachte ich sofort: noch mehr Wäsche, noch mehr Aufwand. Deshalb habe ich das Thema für uns erst einmal nicht weiterverfolgt. Wer tiefer einsteigen mag, findet hier einen Artikel zu Stoffwindeln im Vergleich zu Wegwerfwindeln.
Als wir einmal gemeinsam wandern waren, wirkte die Praxis auf mich recht aufwendig. Gefühlt meinte die Mama bei jeder Kurve, ihr Kind müsse mal. Wir hielten ständig an, holten das Töpfchen raus und warteten. Für mich als Begleitung war das eher abschreckend.
Windelfrei im eigenen Tempo
Letzten Sommer war mein Sohn zwei Jahre alt und wir haben begonnen, tagsüber die Windel öfter wegzulassen. Wenn etwas in die Hose ging, war er schnell umgezogen. Im Winter ist das aufwendiger, weil er mehrere Schichten trägt und mehr Wechselkleidung braucht.
Seitdem frage ich ihn morgens, ob er tagsüber eine Windel tragen möchte. Manchmal ist er tagelang windelfrei und alles funktioniert reibungslos. Manchmal pieselt er mehrmals täglich in die Hose. Und manchmal entscheide ich, dass er mit Windel in den Tag startet – zum Beispiel, wenn ich wenig Wechselkleidung dabeihaben kann wie auf einer Berghütte oder wir lange Auto fahren und ich nicht jederzeit anhalten kann. Wenn er Bescheid sagt, dass er auf die Toilette muss, dann geht es nämlich schnell.
Wir haben ein Töpfchen „to go“, das sich zusammenklappen lässt und platzsparend mitkommt. Letzten Sommer hatten wir es oft dabei, zum Beispiel am See. Allerdings fand er es deutlich spannender, in die Büsche zu pieseln. Ich überlege, ob ich es einfach wieder verkaufe.
Zu Hause geht er selbstständig auf sein Töpfchen, wenn er den Drang spürt. Das funktioniert mittlerweile gut. Manchmal holt er sich auch selbst den Toilettenaufsatz und den Tritthocker. Da bin ich jedes Mal stolz, wenn er so eigenständig für seine Bedürfnisse sorgt.

Manchmal wünsche ich mir, gelassener reagieren zu können, wenn er in die Hose gepieselt hat. Je nach Alltagssituation gelingt mir das gut – und manchmal bin ich ungehalten über den zusätzlichen Aufwand, der dann entsteht. Ich hoffe, dass bei ihm nachhaltig ankommt, dass er dafür keine Scham empfinden muss und alles genauso richtig ist, wie es gerade ist.
Im Naturkindergarten startet er morgens mit Windel in den Tag und wechselt meist im Laufe des Tages zu windelfrei. Es gibt dort eine Komposttoilette am Bauwagen – oder die Kinder suchen sich draußen ein ruhiges Plätzchen.
Nachts windelfrei im Bett
Kürzlich sagte mein Sohn, er wolle nachts ohne Windel schlafen. Wir haben das noch nicht ausprobiert – und ehrlich gesagt sträube ich mich ein wenig. Ich bräuchte einen wasserdichten Matratzenschutz, mehr Schlafanzüge zum Wechseln und wahrscheinlich eine neue Abendroutine. Stelle ich ein Töpfchen neben das Bett? Weckt er mich nachts? Wird mein Schlaf noch häufiger unterbrochen?
Vermutlich ja – zumindest am Anfang. Und das bedeutet Mehraufwand. Als alleinbegleitende Person brauche ich die Kapazität, diesen Entwicklungsschritt gut zu begleiten. Ich glaube, Kinder und Eltern brauchen gemeinsam den Punkt, an dem sie bereit für nachts windelfrei sind.

Würde ich beim nächsten Kind etwas anders machen?
Ich glaube, es kommt stark auf die Situation an. Mit mehr Kapazitäten oder Unterstützung durch ein Umfeld könnte ich mir vorstellen, von Anfang an stärker Richtung windelfrei zu gehen – zumindest ohne Plastikwindeln. Das würde Kosten und Müll reduzieren und nachhaltiger sein.
Was ich auf jeden Fall anders machen würde: mir früher erlauben, unperfekt zu sein. Windelfrei nicht als Anspruch sehen, sondern als Angebot. Jede Mama-Kind-Beziehung ist anders, und man darf gemeinsam Schritt für Schritt wachsen.
Immer noch nicht windelfrei
Vergleiche mit anderen Kindern finde ich eher hinderlich – auch wenn ich mich im Alltag manchmal dabei ertappe. In Maßen ist es für mich okay, nach rechts und links zu schauen. Es kann auch inspirieren, Neues auszuprobieren.
Ich bin gespannt, wann bei uns der Zeitpunkt kommt, an dem mein Sohn ganz trocken ist. Ich vermute im Frühling oder Sommer. Wir gehen unseren Weg mit Zeit und Vertrauen – und ich begleite meinen Sohn in seinem Tempo, ohne Druck. Ich bin fest im Vertrauen, dass der Zeitpunkt des Windelfrei-Seins mit einer entspannten Herangehensweise ganz natürlich kommt.


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