Ich hatte einen Autounfall mit meinem Kind – und plötzlich war sie da, meine größte Angst. Mein Körper stand unter Schock. Gesundheitlich ist offensichtlich nichts passiert – und doch bin ich innerlich erschüttert. Dieses Erlebnis hat meine größte Angst als Mama berührt: den Kontrollverlust.
Der Autounfall mit Kind
Es passierte direkt um die Ecke vom Naturkindergarten auf dem Heimweg.
Ich fuhr in einer 30er-Zone auf einer schmalen Straße, an deren Seite Parkplätze liegen.
Plötzlich spürte ich einen Stoß.
Ich realisierte sofort: Es hat gekracht.
Ich fuhr direkt rechts ran und sah, dass ein junger Mann beim rückwärts Ausparken in mein Auto gefahren war. Hinter mir hielt sofort ein weiteres Auto und ein Paar stellte sich direkt als Zeugen zur Verfügung. Das hat mich in dem Moment ein wenig beruhigt.
Und gleichzeitig war ich wie neben mir.
Alles ging irgendwie automatisch. Meinem Kind ging es gut.
Im Nachhinein habe ich gemerkt, wie überfordert ich in diesem Moment war. Mein letzter Unfall ist fast 10 Jahre her. Eine klare Orientierung, wie man sich nach einem Unfall verhält, hätte mir geholfen – so wie sie zum Beispiel der ADAC beschreibt.
Der Schock im Körper
Auch wenn äußerlich nichts passiert war, hat mein Körper sofort reagiert.
Mein System war angespannt, ich war innerlich wie eingefroren und fuhr ganz langsam heim.
Erst als wir zu Hause waren, konnte ich wirklich spüren, was da eigentlich passiert war. Ich setzte mich auf den Boden vor die Heizung, wickelte mich in eine Decke und begann zu weinen. Die angestaute Energie durfte endlich raus.
Das tat gut. Und gleichzeitig war es herausfordernd, weil mein Sohn mich so gesehen hat.
Ich erklärte ihm, dass ich mich sehr erschrocken hatte und jetzt einfach ein bisschen weinen möchte. Er hat das sofort verstanden und mich gefragt, ob ich eines seiner Kuscheltiere haben möchte. Er hat mir ein kleines Schweinchen gebracht.
In diesem Moment war ich einfach nur berührt. Und unglaublich stolz auf ihn.
Ich weiß, dass solche Reaktionen ganz normal sind. Der Körper verarbeitet Schock oft erst im Nachhinein – und braucht dafür Raum. Trotzdem ist es jedes Mal überwältigend.
Die Verarbeitung vom Autounfall braucht Raum
In der Nacht nach dem Autounfall habe ich von einem Unfall geträumt.
Mein Sohn und ich wollten einen Berg mit dem Auto hochfahren. Plötzlich kam von oben ein anderes Auto und schob uns nach unten. Ich konnte nicht bremsen. Ich musste es geschehen lassen.
Für mich war das ein klares Zeichen, dass hier noch viel verarbeitet werden wollte.
Am nächsten Tag habe ich meinen Sohn in den Naturkindergarten gebracht und dort zufällig mit einer anderen Mama gesprochen. Ich habe ihr von dem Unfall und meinem Traum erzählt. Das hat gut getan. Es hat etwas gelöst.
Danach bin ich an die Isar gegangen, habe Musik gehört und meine Emotionen fließen lassen. Ich habe gemerkt, wie wichtig es für mich ist, nicht einfach weiterzumachen, sondern kurz innezuhalten.
Wer hat Schuld – und was macht das mit mir?
Eigentlich mag ich diese Frage nicht.
Und gleichzeitig kommt sie natürlich sofort auf.
Habe ich etwas falsch gemacht?
War ich zu schnell? Zu mittig auf der Straße? Ein zermürbendes Gedankenspiel begann.
Am nächsten Tag bin ich nochmal an den Unfallort gefahren und habe mir alles genau angeschaut.
Parallel dazu kam die Bürokratie:
Unfallfragebogen, Fotos, Skizzen, Werkstatttermin.
Meine Versicherung, die gegnerische Versicherung.
In mir war eigentlich noch alles im Verarbeiten – und gleichzeitig musste ich funktionieren.
Als alleinerziehende Mama mit einer ohnehin schon vollen To-Do-Liste war das einfach viel. Ich habe mir in dieser Phase auch Unterstützung geholt – unter anderem durch künstliche Intelligenz, die mir bei den formalen Dingen geholfen hat.
Meine Angst vor Kontrollverlust
Das Thema ist nicht neu. Ich habe schon länger immer wieder Träume von Autounfällen. Und auch im Alltag habe ich zeitweise eine reale Angst beim Autofahren.
Früher – vor der Geburt meines Sohnes – bin ich gerne schnell gefahren.
200 km/h auf der Autobahn waren für mich kein Problem.
Mit seiner Geburt hat sich etwas verändert. Die Angst kam schleichend je älter er wurde. Und irgendwann war sie so stark, dass ich Panik bei Autobahnfahrten hatte.
Letzten Sommer habe ich dazu eine EMDR-Sitzung gemacht – eine Methode zur Verarbeitung belastender Erfahrungen. Seitdem ist es deutlich besser geworden.
Mein Therapeut hat mir erklärt, dass diese Angst auch mit Überforderung zu tun hat.
Dass ich als alleinerziehende Mama oft an meiner Grenze bin – und sich das in solchen Situationen zeigt. Der Unfall hat genau diesen Punkt wieder berührt.
Die Angst vor Kontrollverlust zeigt sich seit der Geburt auch in Angst vor Krankheiten. Zuvor hatte ich das nicht.
Jetzt habe ich manchmal Angst, dass mein Sohn eines Tages alleine auf der Welt ist, weil ich schwer erkranke.
Das ist ein sehr zermürbender Gedanke.
Ich hoffe, ich kann das ändern und diese Angst ablegen.
Emotionen alleine tragen
Was mich fast noch mehr bewegt hat als der Unfall selbst, war das Danach.
Niemand, der abends nach Hause kommt.
Niemand, der mich in den Arm nimmt.
Niemand, der sagt: „Ich bin da.“
Ich halte die Emotionen meines Kindes und meine eigenen alleine. Das erschöpft mich manchmal sehr. Und gleichzeitig macht es mich auch stolz.

Wir sind ein gutes Team und doch darf sich etwas ändern. Hin zu mehr Gemeinschaft.
Autounfall mit Kind – was bleibt
Es war ein Schock. Ich wünsche mir sehr, dass wir jetzt viele Jahre unfallfrei bleiben.
Ich frage mich nach solchen Ereignissen oft, warum sie passieren.
Ich glaube, dass alles irgendwie Teil eines größeren Ganzen ist, auch wenn ich den Sinn nicht immer sofort greifen kann.
Was ich aber ganz klar mitnehme:
Dass ich mir Raum nehmen darf.
Dass meine Gefühle da sein dürfen.
Und dass ich nicht alles kontrollieren kann. Die Angst darf da sein.
Mein Fazit
Vielleicht beginnt Vertrauen genau dort, wo wir akzeptieren, dass wir nicht alles kontrollieren können.
Dieser Unfall hat mir gezeigt, wie verletzlich wir sind – und wie stark gleichzeitig.

Ich gehe meinen Weg weiter.
Mit meinem Kind an der Hand.
Und mit dem Vertrauen, dass wir gemeinsam durch solche Erfahrungen wachsen.
In letzter Zeit merke ich auch, dass ich mich mit Themen beschäftige, die ich lange vor mir hergeschoben habe. Zum Beispiel die Frage, was mit meinem Sohn passiert, wenn mir etwas zustoßen sollte. Ich möchte eine Verfügung aufsetzen oder einen Menschen finden, der sich ihm annehmen würde.
Vielleicht gibt mir das ein Stück Sicherheit zurück.



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