Unser Kleinkind hat einen Nierenstein

Eingangsbereich der urologischen Ambulanz im Klinikum Rechts der Isar.

Als ich den Urinbeutel neben Alinas Bett hängen sah, fühlte ich mich schlagartig um fast vier Jahre zurückversetzt. Nach ihrer Geburt lag ich mit einem Liquorleck selbst im Krankenhausbett, während meine neugeborene Tochter neben mir schlief. Nun lag ich wieder neben ihr – doch diesmal war nicht ich die Patientin, sondern sie. Und das alles wegen eines fünf Millimeter großen Nierensteins.

Ein Harnwegsinfekt nach dem anderen

Hinter uns lagen mehr als vier Monate mit Harnwegproblemen. Immer wieder ging es Alina für ein oder auch zwei Wochen besser, dann kam der nächste Infekt. Da sich die Harnwegsinfekte im Winter und beginnenden Frühling mit weiteren Erkrankungen wie Streptokokken und Magen-Darm überschnitten, ahnte ich zunächst gar nicht, dass die Ursache für ihr Unwohlsein in ihrer Blase oder Niere liegen könnte. Auch ihr Kinderarzt wunderte sich, dass der Harnwegsinfekt trotz Antibiotika einfach nicht verschwinden wollte.

Ich hatte selbst zum Glück noch nie eine Blasenentzündung und kann deshalb nur erahnen, wie schmerzhaft eine Nierenbeckenentzündung sein muss. Unsere Jüngste schien allerdings erstaunlich hart im Nehmen zu sein. Sie wollte nicht einmal schmerzlindernde Medikamente nehmen. Nach den vielen Antibiotikatherapien mussten wir schließlich sogar die „Medizinfee“ erfinden, damit sie das notwendige Medikament überhaupt noch einnahm.

Diagnose: Nierenstein

Nach verschiedenen Untersuchungen durch einen auf Nephrologie (Nierenheilkunde) spezialisierten Kinderarzt stand schließlich fest, was wir alle schon befürchtet hatten: Unsere dreijährige Tochter hatte einen fünf Millimeter großen Nierenstein in der rechten Niere. Nach Einschätzung der Ärzte könnte eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Ihr Papa hatte ebenfalls schon mit Nierensteinen zu tun.

Ein paar Wochen später sollten wir uns deshalb bei einem Oberarzt im Klinikum Rechts der Isar vorstellen. Der Urologe, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Harnsteintherapie, sollte sich den Stein genauer ansehen. Doch dazu kam es erst nach der sechsten Harnwegentzündung.

Eingangsbereich der urologischen Ambulanz im Klinikum Rechts der Isar.
Foto von Alisa

Überraschende Einweisung ins Krankenhaus

Eigentlich sollte der Termin im Klinikum Rechts der Isar endlich Klarheit bringen. Doch schon einen Tag vorher nahm alles eine ganz andere Wendung.

Der Kindergarten rief an. Alina, die wegen ihrer ständigen Krankheiten ohnehin nur selten dort gewesen war, hatte Fieber und sich übergeben. Ich sollte sie also nach kurzer Betreuung schon um die Mittagszeit wieder abholen.

Zum Glück war der Papa an diesem Tag ausnahmsweise im Homeoffice und konnte direkt mit ihr zum Kinderarzt fahren. Womit ich nicht gerechnet hatte: Eine der Kinderärztinnen rief mich an und teilte mit, wir sollten sofort die Koffer packen und in die Kinderklinik fahren.

So hatten wir uns die Pfingstferien nach all den Sorgen und dem Stress der vergangenen Wochen – ja, sogar Monate – sicher nicht vorgestellt. Besonders unser Schulkind war enttäuscht. Eigentlich wollten wir in der letzten Ferienwoche noch etwas gemeinsam als Familie unternehmen.

In gewisser Weise taten wir das auch – nur eben ganz anders als geplant. Statt eine Nacht im Hotel zu verbringen und gemeinsam einen Freizeitpark zu besuchen, übernachteten wir nun in der Kinderklinik.

Eine Nacht in der Kinderklinik

Von etwa 17 bis 22 Uhr verbrachten wir die Zeit im Wartebereich und in den Aufnahmeräumen des Krankenhauses, bis wir kurz vor Mitternacht endlich auf die Station durften.

Wir teilten uns das Zimmer mit einer Mutter und ihrem Sohn im Alter unserer Tochter. Es wurde eine schlaflose Nacht. Alina bekam über den Tropf abwechselnd Antibiotika und eine Kochsalzlösung. Das Infusionsgerät piepste immer wieder, die andere Mama schnarchte laut und über den Kinderbetten brannte die ganze Nacht ein Licht – an Schlaf war  kaum zu denken.

Weil wir aus organisatorischen Gründen zunächst auf der chirurgischen Station gelandet waren, schien niemand so recht zu wissen, was man mit uns anfangen sollte. Erst kurz vor 10 Uhr kam ein Kinderarzt und erklärte, dass wir den seit Wochen geplanten Termin in der urologischen Ambulanz des Klinikums Rechts der Isar unbedingt wahrnehmen sollten.

Kleinkind spielt im Krankenzimmer der Kinderklinik mit Puppe und Puppenwagen.
Foto von Alisa

Von da an wurde es chaotisch. Ich hatte keinen richtigen Ansprechpartner, jeder sagte etwas anderes. Zunächst versprach man mir ein Taxi auf Klinikkosten, später hieß es plötzlich, wir müssten die Fahrt selbst bezahlen.

Mit Verspätung in die urologische Sprechstunde

Mit der Tram quer durch München zu fahren – so, wie es mir am Empfang der Kinderklinik nur 15 Minuten vor unserem eigentlichen Termin im Klinikum Rechts der Isar vorgeschlagen wurde –, kam mit einem kranken Kleinkind mit einem Zugang im Arm überhaupt nicht infrage. Also rief ich meinen Mann an, der nach dem langen Abend mit Lara gerade erst beim Frühstück saß.

Zum Glück hatte er sich wegen unseres geplanten Ausflugs in den Pfingstferien Urlaub genommen. Er machte sich sofort auf den Weg und sammelte uns vor der Klinik ein. Als wir schließlich in der urologischen Ambulanz des Klinikums Rechts der Isar ankamen, waren wir bereits mehr als eine Stunde zu spät.

Dass aus dem geplanten Untersuchungstermin schon wenig später eine ungeplante Operation werden würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Warum Alina noch am selben Tag operiert werden sollte und der Nierenstein zunächst trotzdem nicht entfernt werden konnte, erzähle ich im zweiten Teil.

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