Der positive Schwangerschaftstest

positiver Schwangerschaftstest (Urin-Schnelltest)

Ich hatte absolut nicht damit gerechnet…

Eigentlich war Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt kein Thema, das gerade besonders viel Raum in meinem Leben eingenommen hätte. Ich war 29, mitten im Studium, arbeitete in der Nachtgastro und war es gewohnt, dass meine Tage und Nächte manchmal ziemlich anders liefen als bei anderen Menschen. Ausschlafen, arbeiten, feiern, lernen, Freunde treffen – alles ziemlich spontan und sehr selbstbestimmt. Und genau so mochte ich es.

Und dann stand ich da. Morgens im Bad und pinkelte auf einen Test, weil seit Tagen alles, was ich gegessen hatte, irgendwie komisch schmeckte, ich sehr müde war und extrem viel Hunger hatte. Dazu kam, dass ich den einen oder anderen Kommentar nicht vergessen konnte: „Haha, vielleicht bist du schwanger.“

Als ich von meinem gerade begonnenen Pflichtpraktikum nach Hause radelte und an der Ampel zufällig an der Apotheke vorbeikam, dachte ich: Was soll’s, ich nehme einen Test mit. Schließlich trank ich, rauchte und kiffte ab und an. Wenn ich den Test machte, konnte ich ohne schlechtes Gewissen meinen Alltag wieder genießen.

Kurz bevor ich am nächsten Morgen in die Dusche stieg, pinkelte ich also auf den Test – in der festen Überzeugung, dass ich anschließend einen Kaffee trinken und eine rauchen gehen würde. Ich stieg aus der Dusche und wollte den Test nur kurz wegwerfen, als ich nicht glauben konnte, was ich da sah.

Zwei Striche.

positiver Schwangerschaftstest (Urin-Schnelltest)
Foto von Lillith

Waren zwei Striche nicht positiv?

Ich kramte die Packungsbeilage aus dem Müll und traute meinen Augen nicht. Ein echter Schock. Der Test war positiv.

Ich war schwanger!

Als ich den Test gemacht hatte, fragte ich mich, wie weit ich eigentlich schon war. Tausend Gedanken schossen in einer Sekunde durch meinen Kopf: Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal meine Periode? Und in welcher Schwangerschaftswoche konnte ich sein? Was hatte ich in den letzten Wochen konsumiert?

Ich überschlug im Kopf und dachte, meine Periode müsste schon eine Weile zurückliegen. Sie war nie besonders regelmäßig und konnte auch so mal eine Weile ausfallen. Deshalb fiel es mir auch nicht sofort auf. Im Nachhinein stellte sich heraus: Ich war bereits in der 7. Schwangerschaftswoche.

Was bedeutete das?

Denn in diesen sieben Wochen hatte ich natürlich noch so gelebt wie vorher. Ich wusste ja nicht, dass ich schwanger war. Ich hatte geraucht. Ich hatte Alkohol getrunken. Wie viel hatte ich getrunken? Wie viel gekifft? Was davon könnte meinem Baby geschadet haben? Hätte ich irgendetwas merken müssen? Und vor allem: War es vielleicht schon zu spät? Hatte ich das Baby geschädigt?

Für mich war eigentlich immer außer Frage gestanden, zu konsumieren während der Schwangerschaft. Aber natürlich konnte ich die Zeit nicht zurückdrehen.

Und genau das war für mich aktuell das Schlimmste.

Ich konnte ab diesem Moment zwar alles anders machen – aber ich konnte nicht ändern, was schon passiert war.

Sofort fiel ich in ein Gedankenkarussell und begann zu recherchieren, und eine Frage führte zur nächsten: Ab wann war das Baby eigentlich mit mir verbunden? Was bekam es zu diesem frühen Zeitpunkt überhaupt von dem mit, was ich aß, trank oder rauchte? Und was passierte in den ersten Wochen einer Schwangerschaft überhaupt?

Je mehr ich las, desto verwirrter war ich.

Mithilfe einer KI wälzte ich Paper statt Foren, um herauszufinden, wann genau was zu meinem Baby gelangte. Das Fazit, das ich daraus gezogen hatte, war: Die Verbindung begann nicht erst ab einem bestimmten späteren Zeitpunkt. Schon nach der Einnistung gab es einen Austausch zwischen Mutter und Baby – zunächst allerdings nicht über einen vollständig ausgebildeten direkten Blutkreislauf.

Das bedeutete jedoch nicht automatisch, dass mein Baby geschädigt war, aber eben auch nicht, dass es die Schwangerschaft nicht erreicht hatte. Ein bisschen Erleichterung, aber auch ein leicht ungutes Gefühl blieben zurück.

Ein kleiner Mensch war unterwegs. Tausend gemischte Gefühle machten sich breit. Das war alles so verrückt. Komplett surreal. Und irgendwie konnte ich es selbst noch gar nicht richtig glauben. Ich war gleichzeitig überfordert, glücklich und ängstlich. Es gab zuerst wenig Momente, in denen ich mich einfach nur freute.

Hoffentlich hatte ich nichts irreparabel kaputt gemacht?!

Und obwohl sich äußerlich erst einmal überhaupt nichts verändert hatte, hatte sich in meinem Kopf alles verändert.

Für mich war immer klar: Kein Konsum während der Schwangerschaft. Auch nicht hier und da!

Als ich an diesem Morgen ins Büro fuhr, saß ich wie versteinert davor und zündete meine allerletzte Zigarette an. Sie schmeckte nicht mehr wie die Zigaretten zuvor, irgendwie schäbig, aber dennoch schaffte ich es nicht, sie nicht zu rauchen. Ich drückte sie nach der Hälfte aus, warf anschließend mein gesamtes Drehzeug in den Müll und ging die Treppen zu meinem Büro rauf.

Keine Zigaretten mehr, kein Wein mehr abends und der Beginn einer 40-Stunden-Woche. Hilfe.

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