Nach Alinas überraschender Einweisung ins Krankenhaus wegen ihres Nierensteins überschlugen sich die Ereignisse. Wegen der chaotischen Situation im Kinderkrankenhaus kamen wir über eine Stunde zu spät zu unserem Termin in der urologischen Ambulanz des Klinikums Rechts der Isar. Dort sollte entschieden werden, wie Alina wegen ihres Nierensteins weiterbehandelt werden sollte.
Das gesamte medizinische Personal nahm uns trotz Verspätung herzlich in Empfang und behandelte seine wohl jüngste Patientin an diesem Tag wie eine kleine Prinzessin.
Warum Alina noch am selben Tag operiert werden sollte
Nach einem weiteren Ultraschall und einer Computertomografie (CT) stand fest, dass der Nierenstein entfernt werden sollte. Wegen der Entzündung war das jedoch zunächst nicht möglich. Dennoch empfahl der zuständige Oberarzt, Alina noch am selben Tag zu operieren und eine Harnleiterschiene (Stent) einzusetzen, damit der Urin aus der betroffenen Niere wieder besser abfließen konnte.
Zu meiner eigenen Überraschung überwog in diesem Moment die Erleichterung. Seit Monaten hatte Alina immer wieder unter Harnwegsinfekten gelitten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass endlich eine Lösung in Sicht war.
Da Alinas Papa selbst schon Nierensteine hatte, wussten wir ungefähr, was auf uns zukommen würde. Außerdem strahlte der Oberarzt als ausgewiesener Spezialist für Harnsteinerkrankungen eine solche Kompetenz und Ruhe aus, dass wir ohne Zögern in den Eingriff einwilligten.
Ein junger Arzt der Uniklinik und eine Anästhesistin klärten uns ausführlich über den Eingriff auf. Anschließend hieß es erneut warten – auf die Operation, die erst am Abend stattfinden sollte. Bis dahin musste Alina nüchtern bleiben. Für ein dreijähriges Kind war das schon schwer genug, bei den sommerlichen Temperaturen jedoch eine echte Herausforderung.
Wenn ein Kleinkind nüchtern bleiben muss
Wieder hatten wir alle Hunger. Bis auf ein paar Knabbereien für die Kinder und die Überbleibsel unseres Frühstücks im Dritten Orden hatte ich nichts dabei. Die Auswahl im Krankenhaus war allerdings ernüchternd: Entweder Feinkost aus dem Käfer-Café oder Snacks aus dem Automaten.
Also schlich ich mich mit Lara auf einen überteuerten, aber dringend notwendigen Kaffee dorthin. Sie bekam einen kleinen Becher Milchreis – zu einem Preis, für den ich zu Hause sicher einen ganzen Topf gekocht hätte.
Alina dagegen sollte nüchtern bleiben. Das wurde mit jeder Stunde schwieriger. Sie wurde immer ungeduldiger – und schließlich richtig wütend. Sie hatte Hunger. Großen Hunger.
Die letzten Minuten vor der OP
Schließlich befand ich mich wegen des ganzen Durcheinanders vom Vormittag allein mit zwei Kindern in der Schleuse vor dem OP-Saal, während mein Mann unsere Koffer aus der Kinderklinik holte.

Das Personal war jedoch unglaublich herzlich und empathisch – so, wie ich es hier in München selten erlebt habe. Der zuständige Oberarzt half mir sogar dabei, den Kittel für den OP zuzuknöpfen. Anschließend versprach er, sich um Lara zu kümmern, während ich Alina bis zum Einschlafen begleiten durfte.
Es fühlte sich surreal an: der sterile OP-Saal, auf dem OP-Tisch mein kleines Mädchen mit ihrer Puppe, die sie „Christkind“ nennt. Ihr kleiner Körper war noch voller Eddingspuren von den Bildern, die sie kurz zuvor für mich und die Pflegerinnen gemalt hatte.
Gerade als Alina eingeschlafen war, kam der Oberarzt herein. „Ihr Mann ist da“, sagte er. Als er mich aus dem OP herausbegleitete, fragte er noch: „Und wie geht es der Mama?“
Ich kann nicht sagen warum, aber ich war erstaunlich ruhig. Vielleicht weil ich hoffte, dass Alinas Leiden nun bald ein Ende hätte, vielleicht weil der zuständige Oberarzt so eine Souveränität ausstrahlte. Ich hatte keine Angst um Alina. Ein bisschen mulmig war mir aber trotzdem.
Im Aufwachraum
Während der etwa 30-minütigen Operation, in der Alina eine Harnleiterschiene (Stent) eingesetzt bekam, gingen wir zurück auf die Station und stürzten uns auf das einzige Abendessen, das wir auftreiben konnten: Bohnen- und Paprikasalat. Der Hunger war so groß, dass selbst Lara es ohne zu murren aß.
Die Zeit verging wie im Flug, und schon durften wir Alina im Aufwachraum besuchen.
Da wir so spät dran waren, war sie die einzige Patientin dort. Die Pflegerin schien noch etwas unerfahren, und der zuständige Arzt wirkte auf mich eher ungeduldig. Irgendwann reichte ihm wohl, dass Alina auch eine halbe Stunde danach noch tief und fest schlief. Kein Wunder – es war bereits nach 20 Uhr und damit ohnehin ihre Schlafenszeit.
Ich musste sie schließlich trotz der vielen Kabel an ihrem kleinen Körper auf den Arm nehmen. Tatsächlich wurde sie dadurch schnell wach.

Zurück auf Station
Doch als wir wieder gemeinsam auf der Station waren, machten sich die Anstrengungen der vergangenen zwei Kliniktage, der Hunger und vermutlich auch die Schmerzen nach der Operation bemerkbar. Alina fing fürchterlich an zu schimpfen, zu weinen und zu meckern. Wer wollte ihr das verübeln?
Trotzdem war der Abend auch für mich sehr anstrengend. Ich verbrachte ihn allein mit ihr im Zimmer. Nur nach mehrmaligem Nachfragen kam überhaupt jemand zu uns. Wirkliche Unterstützung bekamen wir allerdings nicht mehr.
Vor allem der Katheter schien sie furchtbar zu stören. Erst ein Eis, das mir eine Pflegerin organisierte, konnte sie etwas ablenken – ebenso wie die Kindertattoos, die ich in weiser Vorahnung eingepackt hatte und die sie sich jetzt voller Begeisterung auf die Wangen machen ließ.
Am nächsten Tag entfernte ein Pfleger ihren Zugang. Auch er war im Gesicht tätowiert. Mit einem verschwörerischen Grinsen betrachtete er Alinas Gesichtsbemalung: „So fängt es an.“
Die erste Nacht mit Stent
Die Nacht empfand ich diesmal deutlich angenehmer. Nachdem Alina nach Mitternacht endlich eingeschlafen war, kehrte auch im Zimmer Ruhe ein.
Da ich vermutete, dass der Klinikalltag früh beginnen würde, stellte ich meinen Wecker auf 7.30 Uhr. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass schon vorher das Licht anging und plötzlich eine Gruppe von sechs bis acht Ärzten in unserem Zimmer stand. Ich fühlte mich sofort an die morgendlichen Visiten auf der Wöchnerinnenstation erinnert.
Diesmal wollte ich jedoch einfach nur für Alina da sein und gut auf sie aufpassen. Abgesehen davon, dass sie immer wieder über Schmerzen im unteren Bauch schimpfte, wirkte sie schon wieder erstaunlich fit. Ihr war langweilig und ich musste sie beschäftigen. Das war im Dritten Orden mit all den Spielsachen wesentlich einfacher gewesen.
Dann kam endlich das lang ersehnte Mittagessen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solchen Hunger gehabt hatte. Doch die Servicekraft teilte mir mit, dass ich nicht angemeldet sei und deshalb nur ein Essen geliefert worden sei. Also wieder nichts …
Schließlich bekam ich doch noch eine Mahlzeit – allerdings mit Geflügel, das ich nicht esse. Am Ende aß Alina beide Portionen. Sie liebt Fleisch und konnte nach den anstrengenden Tagen eine Stärkung gut gebrauchen.
Die zweite Operation: Der Nierenstein wird entfernt
Ein paar Wochen später kehrten wir noch einmal ins Klinikum Rechts der Isar zurück. Diesmal war der Eingriff geplant. Die Station und das Personal waren sowohl mir als auch Alina bereits vertraut, und wir fanden uns schnell wieder im Klinikalltag zurecht.
Der Nierenstein konnte schließlich erfolgreich entfernt und auch der Stent wieder herausgenommen werden. Nach Monaten voller Harnwegsinfekte, Sorgen und Krankenhausaufenthalte konnten wir endlich aufatmen.



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