Camping mit Kind auf dem Bauernhof ist vielseitig. Zwischen Krafttanken, Kinderkonflikten und Bergpanorama bekam ich einen kleinen Einblick in das Leben, das ich mir für meinen Sohn und mich wünsche. Inmitten der Natur durfte ich durchatmen.
Ich merke, wieviel Abenteuer und Entdeckungslust in mir schlummert, wenn ich den Alltag für ein paar Tage hinter mir lasse. Zwischen Organisation, Haushalt, Erwerbsarbeit, Traumatherapie und den kleinen und großen Herausforderungen des Alleinerziehens bleibt oft wenig Raum und Kraft übrig. Genau deshalb fühlte sich das Wochenende wie eine Auszeit vom Alltag an.
Die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer
Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und liebe das Entdecken, Erleben, Menschen begegnen und den kulinarischen Genuss. Seitdem ich Mama bin, ist diese Leidenschaft viel zu kurz gekommen. Das liegt an finanziellen Aspekten und an mangelnder Kraft für die Recherche. Die Sehnsucht ist seit 4 Jahren groß. Zwischendurch stille ich sie ein wenig mit Wochenenden in den Bergen. Das letzte liegt inzwischen fünf Monate zurück.
Nach einem Termin bei der Familientherapeutin in der Beratungsstelle spürte ich die Abenteuerlust plötzlich wieder stark und sofort verschickte ich Nachrichten an einige Bekannte. Eine Familie aus unserem Viertel schlug dann vor, mit ihrem Wohnwagen aufzubrechen. Ich war sofort begeistert, denn in einem Wohnwagen hatte ich noch nie übernachtet. Die Idee roch förmlich nach Freiheit.
Sofort fragte ich die Künstliche Intelligenz (KI) nach einem verfügbaren Stellplatz und gleich der erste Treffer führte zum Erfolg. Bauernhöfe bieten mittlerweile neben Ferienwohnungen auch Stellplätze für Camping an. Einen Tag später fuhren wir gemeinsam mit befreundetem Vater & Sohn (4) in das wunderschöne Chiemgau nahe München auf einen Bauernhof in Alleinlage. Das Wetter war traumhaft sommerlich.

Mit Kind hat sich meine Vorstellung von Urlaub verändert. Früher wäre ein Bauernhof nicht meine erste Wahl gewesen. Heute denke ich als erstes an die Bedürfnisse meines Sohnes und plane unsere Erlebnisse darum herum. Wenn er sich frei bewegen und entdecken kann, kann ich durchatmen und ihn seinen Freigeist ausleben lassen.
Zwischen Wohnwagen, Kuhmist und Bergblick
Morgens die Tür vom Wohnwagen öffnen und direkt in die Natur schauen. Die Sonnenstrahlen im Bett auf dem Gesicht fühlen. Draußen frühstücken und keine Termine oder Zeitdruck haben. Einfach nur Leben und genießen. Das brachte so viel Entschleunigung. Und dazu der Blick auf die umliegenden Berge.
Mein Sohn sprang morgens direkt vom Bett im Schlafanzug auf den kleinen Traktor und lud Kuhmist auf. Ich hatte den Eindruck, dass das sehr erfüllend für ihn war. Ich konnte ihn vom Bett aus sehen und so konnte jeder seinen Morgen für sich im Flow gestalten.
In München haben wir nicht mal einen Balkon oder Garten. Das hat mich wieder daran erinnert, wie sehr ich mir ein naturnahes Leben wünsche. Ich sehe meinen Sohn vor mir, wie er seine Werkbank, sein kleines Beet und seinen Fuhrpark im Garten hat und ganz selbst bestimmt seinen kleinen Projekten nachgehen kann. Und ich schaue ihm mit einem Kaffee in der Hand lächelnd zu.
Ein bisschen Familie auf Zeit
Wir waren zu viert. Manchmal fühlte es sich fast ein wenig wie Patchwork an. Gemeinsam frühstücken und gemeinsam Entscheidungen für den Tag treffen. Dieses Gefühl von Gemeinschaft und gemeinsam fehlt mir im Alltag.
Als Alleinerziehende bin ich es gewohnt, Entscheidungen alleine zu treffen. Keinen Gegenüber als Sparringspartner zu haben, kostet viel Energie. Ich plane unseren Alltag alleine, trage die Verantwortung und denke an alles gleichzeitig.
Das Wochenende auf dem Bauernhof hat mir einen kleinen Eindruck davon gegeben, wie es sich als größere Familie anfühlen kann.
Wie gut sich Entlastung und Krafttanken anfühlt
Es war so wohltuend, dass ich nicht alles alleine machen brauchte. Ich wurde bekocht. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, war für mich aber ein großes Geschenk. In den letzten 10 Jahren kam das wenig vor. Einfach mal am Tisch sitzen und genießen.
Auch im Auto war ich Beifahrerin. Ich durfte die Verantwortung abgeben und mir mit einem Kaffee in der Hand die Natur anschauen.
Ich merke, wie wohltuend und entlastend das ist. Krafttanken war möglich für mich. Im Alltag ist der Zustand so weit entfernt.
Wo Kinder sind, sind Kinderkonflikte
Natürlich war nicht alles harmonisch.
Wo kleine Wirbelwinde zusammen spielen, entstehen auch Konflikte. Besonders an neuen Orten. Ich weiß, dass sie dazu gehören und trotzdem finde ich sie anstrengend.
Das Austesten von Grenzen, Rücksichtnahme, körperliche Auseinandersetzungen, Überreiztheit – all das war ebenso Teil des Wochenendes. Entscheidend ist da auch die gleiche Sprache der Erwachsenen Richtung Kinder.
Es startete mit stündlichen Auseinandersetzungen und wurde von Tag zu Tag besser. Letztendlich bin ich sehr stolz auf meinen Sohn.
Krafttanken beim Camping mit Kind auf dem Bauernhof zwischen Wiesen und Bergen
Ich bin beseelt wieder heim gekommen. Das Foto entstand, als wir den Heimweg angetreten sind. Ich war voller positiver Emotionen und neuer Kraft.

Die Berge anzuschauen, erfüllt mich sehr. Diese sommerlichen Temperaturen waren Balsam für meine Seele.
Würde ich wieder losfahren?
Definitiv ja! Ich habe wunderbar geschlafen auf der herunter geklappten Sitzecke im Wohnwagen. Auch mein Sohn ist schnell eingeschlafen. Wenn ich mich da an unser Zelterlebnis vor 2 Jahren erinnere, ziehe ich eindeutig den Wohnwagen-Comfort vor. Vor dem ersten Mal Camping mit Kind, macht es durchaus Sinn, Tipps zum Camping als Familie zu recherchieren.
Ich habe gemerkt, wie wenig wir eigentlich zum Leben brauchen. Ich wünsche mir insgesamt weniger Besitz und Ballast und Haushaltsaufgaben.
Draußen sein ist für uns beide das größte Glück. Langsame Tage und im Moment sein. Das hatte ich vermisst. Ich bin dankbar, dass wir das gemeinsam erleben durften.
Vor allem habe ich gemerkt, wie sehr ich mich nach Gemeinschaft sehne. Nach Menschen, die mittragen und Natur vor der Haustür. Nach einem Alltag mit etwas mehr Freiheit und etwas weniger Funktionieren.
Und wer weiß – vielleicht reisen wir schon bald mit einem Camper Van durch Europa. Vorstellen könnte ich es mir und meine Lust auf Freiheit und Abenteuer wird mir den Weg weisen. Ich wünsche mir, dass ich sie in meinem kräftezehrenden Alltag immer wieder spüre und sich die richtigen Dinge fügen werden. Auf in die Freiheit.


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