Fernreise mit Baby

Mutter mit Baby und Kind vor einem Tempel auf Bali

„Das geht doch nicht“, „viel zu anstrengend“ – als ich mich entschied, mit Baby und Kindergartenkind nach Bali und Malaysia zu verreisen, hörte ich einige skeptische Stimmen. Selbst mein Onkel, der bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren auf Fernreise ging, meinte, dass man damit doch warten sollte, bis die Kinder größer seien. Für ihn wäre es zu stressig gewesen, als meine Cousins noch im Alter meiner Kinder waren.

Doch es gab auch gegenteilige Stimmen. Eine Physiotherapeutin in der Praxis, die ich damals besuchte, erzählte mir beispielsweise, dass sie sogar allein mit ihrem Baby nach Brasilien gereist war – und es nie bereut hatte. Diese Stimme gab mir Mut. Vielleicht lag ich mit meinem Vorhaben ja doch nicht so falsch.

Und um es vorwegzunehmen: Es wurde tatsächlich eine meiner erlebnisreichsten und unvergesslichsten Reisen – trotz Baby und Kindergartenkind.

Vorbereitung ist alles – was kommt ins Gepäck?

Alina war gerade zwölf Monate alt, als wir uns über Dubai auf den Weg nach Bali machten.

Natürlich wollte ich gut vorbereitet sein. Deshalb packte ich zumindest für die ersten Tage und den Flug alles ein, was wir voraussichtlich brauchen würden.

Was ich für unser Baby dabei hatte:

  • Wollleggings und Bodys für die Flüge und klimatisierte Räume
  • Gemüse-Quetschies für unterwegs
  • Frühstücks- und Abendbrei zum Anrühren
  • Milch für Start und Landung
  • Trage für Flughäfen und Ausflüge
  • eine Strand-Pooldecke für Babys, die auf einer Seite als Unterlage und auf der anderen als kleines Planschbecken genutzt werden konnte
  • einen faltbaren Kindersitz für Autofahrten – sicher ist sicher
  • Kinderreisebett in Form eines kleinen Zelts, das wir außerdem auch als Laufstall und Strandzelt nutzten
Faltbares Babyzelt als Reisebett im Hotelzimmer mit Blick auf die Stadt
Foto von Alisa

Viel mehr musste es aber nicht sein. Schließlich waren wir bereits mit Lara auf Fernreise gewesen, als sie noch keine zwei Jahre alt war. Aus dieser Erfahrung wusste ich inzwischen ziemlich gut, was wir wirklich einpacken mussten – und was nicht.

Mit Baby im Flugzeug

Was ich vor meiner ersten Fernreise mit Baby noch gar nicht wusste: Viele Fluggesellschaften bieten für Langstreckenflüge spezielle Babybettchen, sogenannte Bassinets, an, in denen die Kleinsten während des Fluges bequem schlafen können.

Da Alina schon relativ groß war, durfte sie das Bassinet nicht auf allen Strecken nutzen. Hier sollte man sich deshalb im Vorfeld bei der jeweiligen Airline informieren, welche Voraussetzungen gelten.

Im Flugzeug hatte ich außerdem immer eine Flasche warme Milch griffbereit, um den Druckausgleich während Start und Landung zu unterstützen.

Baby schläft im Bassinet während eines Langstreckenflugs
Foto von Alisa

Auch an Flughäfen gibt es praktische Angebote für Familien mit kleinen Kindern. In Dubai etwa standen Kinderwagen für den Transit zur Verfügung – praktisch, denn unser eigener Buggy war bereits bis zum Zielflughafen in Denpasar durchgecheckt.

Unser bester Begleiter war aber definitiv die Trage. Gerade auf Flughäfen, beim Umsteigen und überall dort, wo man mit einem Kinderwagen schlecht vorankommt, war sie unglaublich praktisch.

Fernreise mit Baby im Urlaubsland

Dass Kinder und Babys auf Bali herzlich aufgenommen werden, war übrigens ein Grund, warum ich mich damals überhaupt für dieses Reiseziel entschieden hatte.

Unsere Fahrer passten zwischendurch sogar mal auf eines unserer Kinder auf, während wir mit dem anderen eine Sehenswürdigkeit anschauten. Ich erinnere mich auch gern daran zurück, dass Bedienungen in Restaurants Alina unterhielten, damit ich selbst einmal in Ruhe essen konnte.

Diese Herzlichkeit gegenüber Kindern habe ich bisher nirgendwo so erlebt wie auf Bali. Allein deshalb kann ich Familien die indonesische Insel als Reiseziel sehr empfehlen.

Was wir trotz Baby und Kleinkind alles erlebt haben

Nur weil wir mit kleinen Kindern unterwegs waren, wollten wir  nicht auf all die Dinge verzichten, die wir uns für diese Reise vorgenommen hatten. Und tatsächlich konnten wir trotz Baby und Kindergartenkind unglaublich viel erleben.

Wir besuchten den Monkey Forest in Ubud und schnorchelten auf Nusa Lembongan. Wir fuhren mit dem Speedboat, machten Ausflüge zu Tempeln und anderen Sehenswürdigkeiten und waren – wie sollte es in Südostasien auch anders sein – mit dem Moped unterwegs.

Mutter mit Baby und Kind vor einem Tempel auf Bali
Foto von Alisa

Wir fuhren abwechselnd Jetski, schwammen in Wasserfällen, sahen Fledermäuse und Delfine, fütterten Fische und Affen und durften sogar einmal bei der Reisernte mithelfen.

Aber wir machten auch Erfahrungen, die wir so zu Hause wohl kaum gemacht hätten: Wir übernachteten im Dschungel, bekamen Einblicke in religiöse Zeremonien und sahen zufällig einen traditionellen Hahnenkampf.

Natürlich wollten wir auch die balinesische Kultur und Küche kennenlernen. Wir machten bei Einheimischen einen Kochkurs und besuchten eine Kaffeeplantage. Auch kulinarisch gab es einiges zu entdecken: Wir kosteten exotische Lebensmittel wie Durian, Luwak-Kaffee und Tempeh. Und zwischen all den Abenteuern gönnten wir uns als Eltern auch hin und wieder eine balinesische Massage – für ein bisschen Entspannung zwischendurch.

Während unseres Zwischenstopps in Dubai schlenderten wir über Basare, machten einen Abstecher in die Wüste und trafen Kamele.

Natürlich verlief nicht alles reibungslos. Oft mussten wir uns bei den Aktivitäten auch abwechseln oder aufteilen. Aber so konnten wir uns trotz Baby und Vorschulkind einige unserer Urlaubswünsche erfüllen. Und auch Lara profitierte von den vielen Eindrücken – sie kann sich noch heute an einiges davon erinnern.

Spontan und flexibel unterwegs mit Baby

Was ich an unserer fünfwöchigen Reise besonders genossen habe, war neben den vielen Erlebnissen auch ein Stück Spontanität, das wir uns trotz kleiner Kinder zurückerobert hatten. Ich fühlte eine Art Leichtigkeit wieder, die mir im Familienalltag in München abhandengekommen war.

Wir hatten unsere Fernreise nicht bis ins kleinste Detail durchgeplant und entschieden oft nur ein paar Tage im Voraus, wie es weitergehen sollte. Das war in Asien und auch während unseres Zwischenstopps in Dubai kein Problem. Lediglich ein paar besondere Unterkünfte – zum Beispiel unsere Dschungelhütte – hatten wir bereits von Deutschland aus gebucht.

Natürlich ist man mit einem Baby nicht völlig spontan. Man muss mehr Pausen einplanen, sich an den Rhythmus der Kinder anpassen und ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Man reist also ein bisschen anders. Aber gleichzeitig haben wir gemerkt, dass man seinen eigenen Reisestil nicht komplett aufgeben muss, nur weil man Kinder bekommt. Wir konnten auch weiterhin flexibel reisen, spontan entscheiden und auf eigene Faust unterwegs sein – wenn auch etwas anders als früher.

Das Reisen mit Baby hatte sogar seine Vorzüge. Alina konnte zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel weder richtig krabbeln noch laufen. Sie war also noch relativ immobil – und das machte manches tatsächlich entspannter. Sie konnte schließlich nicht einfach davonlaufen.

Fernreise mit Baby: Würde ich es wieder machen?

Ganz klar: Ja.

Natürlich war unsere erste Fernreise zu viert nicht immer ein Spaziergang. Es gab Momente, in denen wir müde waren, etwas schiefging oder wir unsere Pläne kurzfristig ändern mussten. Mit Baby und Vorschulkind lässt sich eine Reise eben nicht immer so erleben, wie man es ohne Kinder wohl tun würde. Trotzdem muss man deshalb nicht warten, bis die Kinder groß sind, um die Welt zu entdecken. Man kann auch mit Baby und Kleinkind losziehen – man muss nur akzeptieren, dass manches anders und in einem anderen Tempo läuft.

Für mich war diese Reise aber auch eine gute Übung darin, meine eigenen Erwartungen ein wenig anzupassen. Ich war schon immer eine eher spontane Reisende und kleinere Planänderungen haben mich nicht besonders aus der Fassung gebracht. Mit Kindern lernt man jedoch, dass man oft auch Abstriche machen muss. Dass man nicht jede Sehenswürdigkeit anschauen kann, die man gerne sehen würde. Ein Ausflug wird dann mal früher beendet, weil es den Kindern zu heiß, zu langweilig oder einfach zu viel wird. Und manchmal muss etwas, auf das man sich gefreut hat, eben ganz ausfallen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dieser Reise mitgenommen habe: ein bisschen mehr Mut zur Flexibilität und Spontanität im Familienleben – und die Bereitschaft, die eigenen Erwartungen anzupassen.

Und heute?

Auch heute ist das noch so. Bei unserem diesjährigen Urlaub mussten wir wegen der Nierenstein-OP unserer Tochter kurzfristig planen. Viele Unterkünfte waren deshalb bereits ausgebucht. Wir mussten außerdem unsere Reisepläne immer wieder anpassen, als unsere große Tochter krank wurde und Fieber bekam.

Am Ende wurde aus unserem Urlaub ein kleiner Roadtrip: drei Tage Baška, ein Zwischenstopp in Poreč, Kroatien, und schließlich noch eine Nacht in Italien. Statt der ursprünglich geplanten Reise war es am Ende eine ganz andere – aber deshalb nicht weniger schön.

Mit Kindern läuft eine Reise vielleicht einfach anders, manchmal auch anders als geplant. Und vielleicht ist es genau das, was ich inzwischen gelernt habe: Man muss nicht alles sehen, um trotzdem etwas erlebt zu haben.

 

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