Drei Wochen Ferien, viele Möglichkeiten – und gleichzeitig die Frage, was davon überhaupt machbar ist. Was machen wir? Was kann ich mir leisten? Und wie werden die Sommerferien nicht nur für meinen Sohn schön, sondern vielleicht auch ein bisschen erholsam für mich? Alleinerziehend in den Sommerferien – wohin mit uns?
„Und, wo fahrt ihr hin?“
Schon Wochen vorher werde ich immer wieder gefragt: „Und, wo fahrt ihr hin?“ Als wäre es selbstverständlich, dass wir in den Ferien auch wegfahren können.
Je näher die Sommerferien kamen, desto mehr merkte ich, dass diese eigentlich völlig harmlose Frage Druck bei mir auslöste. Im Kindergarten, von Freunden oder anderen Eltern schien es irgendwie selbstverständlich zu sein, dass man in den Ferien wegfährt.
Und ich fing automatisch an zu überlegen, was ich meinem Sohn in diesen drei Wochen bieten sollte. Müssen wir irgendwo hinfahren, um schöne Ferien zu haben? Reichen Ausflüge und Tage zu Hause überhaupt?
Wenn andere von zwei Wochen Italien, Ferienhaus oder Familienhotel erzählten, kam bei mir noch eine ganz andere Frage dazu: Was davon kann ich mir überhaupt leisten? Eigentlich nichts, wenn ich auf meinen Kontostand schaue…
Drei Wochen Ferien – und ich bin für alles zuständig
Drei Wochen Sommerferien können wunderschön sein. Gleichzeitig sind drei Wochen lang. Allein mit einem Wirbelwind daheim.
Im Alltag gibt der Kindergarten mir Entlastung und mein Sohn kann sich auspowern. In den Ferien fällt das plötzlich weg. Von morgens bis abends liegt die Gestaltung der Tage bei mir. Was machen wir heute? Wo gehen wir hin? Treffen wir jemanden? Dazu fange ich alle Emotionen auf und treffe alle Entscheidungen allein.
Gleichzeitig sind da der Haushalt, mein Job und sonstige Erledigungen, die ich neben der Betreuung meines Sohnes auch erledigen darf.
Ferien als Alleinerziehende sind für mich kein Urlaub. Es gibt keinen zweiten Erwachsenen, mit dem ich mich abwechseln kann. Niemand übernimmt morgens mal, während ich noch liegen bleibe. Niemand geht eine Runde mit meinem Sohn, während ich ein Buch lese oder einfach mal nichts mache.
Ich war völlig überfordert und konnte vor den Ferien keine Entscheidung treffen.
Jakobsweg, Camping oder doch zu Hause?
Ich hatte alles Mögliche im Kopf. Eine meiner Ideen war, mit meinem Sohn einen Teil des Jakobswegs zu gehen. Ich zu Fuß und er mit dem Fahrrad. Ob das mit einem 4-Jährigen wirklich funktioniert hätte? Keine Ahnung. Aber irgendwie fand ich die Vorstellung schön. Unterwegs sein, neue Impulse bekommen und Menschen begegnen. Ich entwarf einen Flyer und fragte Klöster und karitative Einrichtungen um Unterstützung. Ich erhielt wunderbare Antworten und sogar Angebote für kostenlose Übernachtungen.
Gleichzeitig merkte ich aber, dass mein Körper gerade nicht die Kraft hatte, viele Kilometer zu Fuß zurückzulegen.
Dann dachte ich wieder darüber nach, einfach das Auto zu packen und Richtung Süden zu fahren. Vielleicht Italien. Campen, draußen sein und schauen, wo es uns gefällt.
Aber eigentlich hatte ich gar keine Lust, drei Wochen lang jeden Tag alles neu zu organisieren. Ich wollte auch mal irgendwo ankommen. Am liebsten an einem Ort mit anderen Familien und Kindern, wo nicht wieder alles an mir hängt. Raus aus der alltäglichen Wirklichkeit der Alleinerziehenden.
Und natürlich war da immer die Geldfrage. Drei Wochen Urlaub können verdammt teuer werden. Viele Sachen, die schön klangen, waren damit sowieso raus. Zum Beispiel ein Wellnesshotel mit Kinderbetreuung.
Was braucht mein Kind – und was brauche ich?
Mein Sohn braucht viel Bewegung an der frischen Luft, Natur, andere Kinder und Erwachsene um sich herum, die ihn auch mal begleiten und co-regulieren.
Ich brauche Entlastung, Ruhe, erwachsene Gesellschaft und möglichst wenig tägliche Entscheidungen. Am liebsten esse ich in Restaurants oder Biergärten. Einfach mal nicht überlegen müssen, was wir essen. Nicht einkaufen, kochen und danach wieder aufräumen. Auch das ist für mich Urlaub.
Gemeinsam lieben wir es, zu erforschen und zu entdecken, was uns über den Weg läuft. Das geht für uns draußen am besten.
Und was machen wir jetzt tatsächlich?
Mit Beginn der Ferien ist der gesellschaftliche Druck plötzlich gewichen. Da waren wir nur noch zu zweit und die Fragen hörten auf. Ich beschloss, einfach von Tag zu Tag zu leben und zu schauen, worauf wir Lust haben.
Nach zwei Wochen Ferien daheim fühle ich mich tatsächlich relativ entspannt. Viele unterschiedliche Menschen haben sich mit Unternehmungsvorschlägen in der Region gemeldet.

So waren wir fast jeden Tag in schöner Gesellschaft. Besonders gut tut mir, dass mir dadurch auch Entscheidungen abgenommen werden.
Wenn jemand fragt: „Wir machen morgen das und das, wollt ihr mit?“, muss ich nur noch Ja oder Nein sagen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist für mich aber echte Entlastung.
Wir waren spontan eine Nacht auf einer Berghütte am Spitzingsee. Mein Sohn ist seine erste Wanderung komplett zu Fuß gegangen.

Das war für uns ein großer Meilenstein und ich bin sehr glücklich darüber, dass wir meine geliebten Wanderungen jetzt Stück für Stück gemeinsam ausbauen können.
Jetzt starten wir in die letzte Ferienwoche. Vielleicht fahren wir noch mal eine Nacht weg, vielleicht auch nicht. Ich habe diesen Monat noch den TÜV-Termin und Respekt vor den Kosten. Deshalb möchte ich das Geld gerade möglichst zusammenhalten.
Alleinerziehend in den Sommerferien – wohin mit uns?
Rückblickend habe ich mir vor den Ferien viel mehr Druck gemacht als nötig. Seit ich einfach von Tag zu Tag schaue, was sich ergibt, sind unsere Ferien erstaunlich entspannt.
Würde ich für die nächsten Sommerferien etwas anders machen? Ja – sofern wir hier noch wohnen. Ich würde versuchen, vorher ausreichend Budget für die Ferien zurückzulegen, damit Geld nicht wieder so ein limitierender Faktor ist.
Außerdem würde ich die finanzielle Unterstützung des ZBFS zur Familienerholung nutzen und mich rechtzeitig um einen Platz in einer der förderfähigen Familienferienstätten kümmern. Da waren wir dieses Jahr leider zu spät dran.
Und für dieses Jahr? Schauen wir mal, was uns in unserer letzten Ferienwoche noch über den Weg läuft.



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