Mein Kind spricht Raucher an – und das ganz von sich aus. Mein vierjähriger Sohn spricht Menschen darauf an, wenn sie rauchen oder ihre Zigarettenkippen auf den Boden werfen. Ich habe ihn nie dazu aufgefordert. Und ehrlich gesagt sind mir diese Situationen manchmal ziemlich unangenehm. Kürzlich hat mich eine dieser Begegnungen allerdings ziemlich überrascht.
Eine Begegnung im Glockenbachviertel
Mein Sohn und ich saßen im Glockenbachviertel in München auf einer Bank und haben etwas gegessen und getrunken. Auf der Nachbarbank saß ein Mann, der rauchte.

Irgendwann drückte er seine Zigarette auf dem Boden aus.
Mein Sohn sah das, stand auf, ging zu dem Mann und sagte: „Das ist Umweltverschmutzung. Das macht man nicht!“ Mir war das unangenehm und ich lächelte entschuldigend. Ich würde anderen Menschen nicht ungefragt sagen, was sie tun oder lassen sollen. Das empfinde ich als grenzüberschreitend.
Ich habe meinen Sohn auch nie dazu angeleitet, andere Menschen auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen. Das macht er ganz von sich aus. Ich glaube, er kennt das auch vom Müllsammeln an der Isar im Naturkindergarten. Dass man seinen Müll eben nicht einfach auf den Boden wirft. Und Zigarettenkippen gehören eindeutig dazu.
Eine unerwartete Reaktion
Der Mann sagte: „Ja, du hast recht“, und hob seine Zigarette wieder auf. Mein Sohn unterhielt sich noch kurz, kam dann zurück und wir aßen weiter. Mir war die Situation immer noch etwas unangenehm. Der Mann ging dann auch.
Ein paar Minuten später kam der Mann wieder zu uns. Er hatte eine Kinderschokolade dabei, die er meinem Sohn schenkte. Er bedankte sich bei ihm und sagte, dass er es richtig gut fand, dass er ihn auf die Zigarette am Boden aufmerksam gemacht hatte.
Da war ich richtig stolz auf meinen Schatz. Ich fand es unglaublich mutig, dass er einfach aufgestanden und zu ihm rübergegangen war, um ihm seine Meinung zu sagen. Noch dazu in einer fremden Umgebung, bei einem Menschen, den er überhaupt nicht kannte.

Und ich habe mich gefreut, dass er damit so eine positive Erfahrung gemacht hat. Dass der Mann ihm zugehört und sich sogar mit einem kleinen Geschenk bei ihm bedankt hat.
„Wieso rauchst du? Das ist doch ungesund!“
Es war, glaube ich, das erste Mal, dass mein Sohn jemanden wegen einer weggeworfenen Zigarette angesprochen hat. Aber dass er unbekannte Menschen auf das Rauchen anspricht, kommt häufiger vor. Mich, seine Mama, hat er noch nie Rauchen sehen, denn seit der Schwangerschaft habe ich nicht mehr geraucht.
Wenn wir irgendwo unterwegs sind und jemand raucht, geht er manchmal einfach hin und fragt: „Wieso rauchst du? Das ist doch ungesund!“
Bei einem Besuch in einer Eisdiele haben wir einen Mann gesehen, der sich eine Zigarette selbst gedreht hat. Mein Sohn kannte bis dahin nur fertige Zigaretten. Natürlich wollte er sofort wissen, was der Mann da macht und wofür der Tabak und die Blättchen sind.
Der Mann sagte ihm auch, dass Rauchen ungesund sei und dass er nicht anfange, solange er neben ihm stehe. Mein Sohn ging daraufhin ein paar Schritte weg und sagte: „So, jetzt kannst du rauchen. Jetzt bin ich weggegangen.“ Ich fand es super, dass der Mann darauf geachtet hat, dass mein Kind keinen Passivrauch einatmet.
Die meisten reagieren auf seine neugierigen Fragen ziemlich humorvoll. Oft sagen sie dann: „Ja, da hast du recht. Das ist auch gar nicht gut, dass ich das mache. Fang da bloß nicht mit an!“ Dass Rauchen ungesund ist, weiß mein Sohn von mir. Ich habe ihm das irgendwann mal erklärt, als er fragte, warum man raucht. Dass er deshalb andere Menschen darauf anspricht, habe ich ihm aber nie vorgeschlagen.
Ich lasse ihn einfach machen. Allerdings bin ich manchmal schon etwas angespannt, weil ich nicht weiß, wie die andere Person reagieren wird. Nicht jeder reagiert offen auf ein Kind, das viele Fragen stellt. Das haben wir auch schon erlebt, wenn es um ganz andere Dinge ging.
Und wie ist das eigentlich mit Alkohol?
Beim Alkohol ist das übrigens noch anders. Mein Sohn weiß zwar, wie eine Bierflasche aussieht, kann aber noch nicht unterscheiden, ob ein Getränk Alkohol enthält oder nicht. Gerade wenn es im Glas serviert wird, ist das für ihn überhaupt nicht erkennbar. Er trinkt zum Beispiel gerne Apfelschorle als „Kinderbier“.
So weit sind wir also noch nicht, dass er auch beim Alkohol zwischen alkoholischen und alkoholfreien Getränken unterscheiden kann. Ich bin gespannt, wann er anfängt, auch beim Alkohol genauer zu unterscheiden, und wie er dann damit umgeht.
Zwischen Offenheit und Grenzen
Ich finde es toll, wie offen und mutig mein Sohn auf andere Menschen zugeht. Gleichzeitig möchte ich ihn dafür sensibilisieren, dass es einen Unterschied gibt, ob man Fragen stellt oder anderen Menschen sagt, was sie tun oder lassen sollen.
Für mich ist es wichtig, dass er aus seiner eigenen Sicht spricht. Und dass er auch lernt, dass andere Menschen Dinge anders sehen oder vielleicht gerade gar nicht angesprochen werden möchten.
Ich hätte mir gewünscht, dass ich als Kind auch so begleitet worden wäre, wie ich heute versuche, meinen Sohn zu begleiten. Dass ich meine eigenen Erfahrungen hätte machen dürfen. Das war bei mir leider nicht so.
Deshalb versuche ich, ihn möglichst frei zu lassen und ihn in seinem Charakter zu unterstützen. Ich möchte seinen Entdeckungsdrang nicht ständig einschränken.
Mein Kind spricht Raucher an – was ich daraus mitnehme
Nach der Begegnung im Glockenbachviertel habe ich meinem Sohn gesagt, dass ich es sehr mutig fand, dass er zu dem Mann hingegangen ist und ihm seine Meinung gesagt hat. Und dass der Mann das offensichtlich auch gut fand.
Mich hat beides gefreut. Die Reaktion des Mannes und vor allem der Mut meines Sohnes, für seine Werte einzustehen.
Ich wünsche mir, dass er sich diese Offenheit bewahrt, weiterhin neugierig auf andere Menschen zugeht und möglichst viele bereichernde Begegnungen erlebt.


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