Mein Abschied von Alkohol und Zigaretten

GOODBYE – Mein Abschied von Alkohol und Zigaretten

Vor meiner Schwangerschaft gehörten Alkohol und Zigaretten ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Das lag besonders an meiner jahrelangen Arbeit in der Gastronomie. Doch dann saß ich eines Abends in Portugal mit einem wunderschönen Spritz am Meer und stellte plötzlich fest: Er schmeckt mir überhaupt nicht mehr. Da begann mein Abschied von Alkohol und Zigaretten.

Der Spritz, der plötzlich nicht mehr schmeckte

Es war ein milder Oktoberabend. Gemeinsam mit meinem Mitbewohner schaute ich den Sonnenuntergang am Meer an. In der Hand hielt ich einen wunderschönen Spritz mit großen Eiswürfeln. Genau so, wie ich ihn liebe.

Mein Abschied von Alkohol und Zigaretten – ein Spritz bei Sonnenuntergang am Meer in Portugal
Foto von Leo

Nach wenigen Schlucken merkte ich, dass er mir nicht schmeckte. Wie konnte das sein? Er war genau richtig zubereitet. Ich probierte immer wieder, aber es blieb dabei: Ich konnte den Spritz nicht trinken.

Auch auf die übliche Zigarette zum alkoholischen Getränk hatte ich keine Lust. Ich hatte eine Schachtel Zigaretten aus Deutschland mitgenommen und keine einzige geraucht.

Und am nächsten Tag wusste ich auch, warum: Ich war schwanger!

Rückblickend fühlt es sich für mich so an, als hätte mein Körper schon “Nein” gesagt, bevor ich überhaupt wusste, dass ich schwanger bin.

Mein Leben vor der Schwangerschaft

Bis wenige Tage vor meiner Abreise zu dieser lebensverändernden Reise nach Portugal habe ich 20 Jahre nebenbei in der Gastronomie gearbeitet, fast ausschließlich in der Abend- und Nachtgastronomie. Da gehörte Alkohol während und nach der Arbeit selbstverständlich dazu. Teilweise trank ich das erste Glas um 16 Uhr und das letzte morgens um 6 Uhr. Alkohol half mir auch dabei, lockerer zu werden und meine Schüchternheit abzulegen.

Alkohol war für mich mit Geselligkeit und Gemeinschaft verbunden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich alleine zu Hause getrunken hätte.

Geraucht habe ich eigentlich nur in Kombination mit Alkohol und überwiegend in Gesellschaft. In der Gastronomie hat man eigentlich auch nur Pause, wenn man raucht. Und so habe ich dort „Raucherpausen“ gemacht.

Insgesamt habe ich mir damals wenig Gedanken über meinen Konsum gemacht. Den Kater am nächsten Tag mochte ich allerdings nie.

Rückblickend finde ich es erschreckend, wie viel Alkohol über die Jahre zusammenkam, auch wenn ich immer darauf geachtet habe, die Kontrolle zu behalten.

Mein Abschied von Alkohol und Zigaretten – mein Leben heute

Nach dem positiven Schwangerschaftstest fiel es mir überhaupt nicht schwer, auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Ich hatte weder Entzugserscheinungen noch das Bedürfnis, etwas zu trinken oder zu rauchen.

Während der Schwangerschaft war ich kaum noch mit anderen Menschen unterwegs. Ich habe mich eher zurückgezogen und war sehr viel alleine. So ergaben sich auch die Situationen nicht mehr, in denen ich früher Alkohol getrunken hätte. In der Gastronomie habe ich seither nicht mehr gearbeitet.

Auch heute, über vier Jahre später, hat sich daran wenig geändert. Als Alleinerziehende ziehe ich nicht mehr nachts um die Häuser. Und wenn ich doch mal Lust auf ein Bier habe, dann trinke ich einfach ein alkoholfreies Helles.

Ich muss sagen, dass sich an der alkoholfreien Bierfront in den letzten Jahren einiges getan hat. Früher gab es hauptsächlich alkoholfreies Pils oder Weißbier. Mittlerweile gibt es sogar meine früheren Lieblingsbiere alkoholfrei. Und mir fehlt überhaupt nichts, wenn ich ein alkoholfreies Helles trinke statt eines mit Alkohol.

Vor allem bin ich froh um jeden Tag, an dem ich Energie spüre. Diese Energie möchte ich mir nicht künstlich nehmen, indem ich Alkohol trinke und am nächsten Tag durchhänge. Dafür ist sie mir in meinem fordernden Alltag als Alleinerziehende mittlerweile viel zu kostbar.

Bei Zigaretten ist es sogar noch deutlicher. Ich kann den Geruch inzwischen überhaupt nicht mehr ertragen. Selbst wenn jemand ein paar Tische entfernt von mir sitzt und raucht, stört mich das sehr. Ich könnte mir aktuell nicht vorstellen, jemals wieder an einer Zigarette zu ziehen.

Nicht jeder Frau fällt der Verzicht so leicht

Mir ist bewusst, dass es nicht jeder Frau so leichtfällt wie mir, von einem Tag auf den anderen auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Schließlich verändert sich mit einer Schwangerschaft das ganze Leben. Besonders schwierig stelle ich es mir vor, wenn der Körper bereits abhängig ist und Entzugserscheinungen dazukommen.

Ich möchte darüber nicht urteilen. Ich kann verstehen, dass es Frauen gibt, denen das Aufhören schwerfällt. Gleichzeitig macht es mich traurig, dass ungeborene Babys durch Alkohol bleibende Schäden davontragen können. Deshalb finde ich es wichtig, sich Unterstützung zu holen, wenn man den Verzicht alleine nicht schafft.

Ich wünsche jeder Frau während ihrer Schwangerschaft und Stillzeit ein rücksichtsvolles Umfeld und möglichst einen Partner oder eine Partnerin, der oder die aus Wertschätzung und Solidarität ebenfalls auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, zumindest in ihrer Gegenwart.

Für mich persönlich war die Schwangerschaft der Abschied von Alkohol und Zigaretten. Und auch wenn ich früher gerne gefeiert habe und viel unterwegs war, habe ich heute nicht das Bedürfnis, zu diesem Leben zurückzukehren.

Ein Abschied ohne Verzicht

Was früher ganz selbstverständlich zu meinem Leben gehörte, vermisse ich heute kein bisschen. Allenfalls die vermeintliche Unbeschwertheit, die mit diesem Lifestyle einherging.

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