Milchreis statt Prosecco Frühstück

Tisch mit Milchreis in mehreren Schüsseln, Bananen, Marmelade und weiteren Frühstückszutaten in einer gemütlichen Berghütte.

Meine beste Freundin aus den USA kam zu Besuch. Mit ihrer kleinen Tochter Grace. Wir sind eine Freundesgruppe aus sechs Frauen und versuchen, es irgendwie hinzubekommen, dass wir uns trotz unterschiedlicher Wohnorte und Leben regelmäßig sehen. Bisher ist sie die Einzige mit Kind. Wir anderen stecken noch im Studium, machen eine Ausbildung, promovieren, studieren im Master oder sind teilweise noch ganz neu auf der Suche danach, was wir eigentlich machen wollen.

Wir hatten es geschafft, ein Wochenende in den Bergen zu organisieren. Die Familie meiner anderen besten Freundin hatte dort ein kleines Haus geerbt. Super idyllisch, in einem winzigen Ort. Eigentlich war geplant gewesen, dass wir zu dritt fahren, aber glücklicherweise hatten am Ende tatsächlich alle sechs Zeit.

Solche Wochenenden waren für uns immer etwas Besonderes. Endlich mal wieder alle zusammen, ohne dass man nach ein paar Stunden schon wieder nach Hause musste. Einfach quatschen, spielen, essen und die gemeinsame Zeit genießen.

Natürlich gehörten normalerweise auch Prosecco, Kiffen und jede Menge Kaffee dazu.

Bei mir waren es im Alltag teilweise bis zu sechs Tassen am Tag. Ich war eigentlich immer voller Energie und für fast alles zu haben.

Diesmal war das anders. Ich wusste, dass ich weder beim Prosecco noch beim Kiffen mitmachen würde. Und auch beim Kaffee musste ich plötzlich ein bisschen aufpassen. Das allein wäre vielleicht noch irgendwie gegangen. Aber ein ganzes Wochenende mit meinen fünf engsten Freundinnen zu verbringen, ohne dass jemand etwas bemerkt? Das konnte ich mir kaum vorstellen. Noch dazu war ich extrem müde und kaputt und wollte eigentlich nur schlafen. Von guter Laune ganz zu schweigen.

Ich konnte es auch nicht besonders gut für mich behalten. Irgendwann wäre es sowieso aufgefallen, und

ich wollte nicht das ganze Wochenende damit verbringen, mir irgendwelche Ausreden auszudenken.

Zu Hause zu bleiben, kam überhaupt nicht infrage. Meine beste Freundin lebte schließlich in den USA und war nur sehr selten hier. Wer wusste schon, wann wir das nächste Mal alle zusammen sein würden?

Als die Ladys irgendwann zum Rauchen nach draußen gingen, blieb ich drinnen. Ich meinte, dass ich gerade versuchen würde, weniger zu rauchen. Innerlich war ich mir ziemlich sicher, dass jetzt die Fragen kommen würden. Warum? Seit wann? Was war denn los? Oder dass es zumindest irgendwie komisch werden würde.

Aber nichts davon passierte. Meine Freundinnen sind auch einfach nicht der Typ Mensch, der andere wegen so etwas ausfragt. Das galt genauso für den Prosecco. Auch wenn wir gerne mal ordentlich feierten, würde keine von ihnen jemanden dazu drängen, etwas zu trinken, oder wissen wollen, warum man heute darauf verzichtet. Sie hätten es einfach akzeptiert! Keine Ahnung warum ich das kurz in Frage gestellt hatte..

Als wir am ersten Abend alle angekommen waren und gemütlich zusammensaßen, erzählte ich schließlich, dass ich mich in der letzten Woche irgendwie gar nicht gut gefühlt hatte. Außerdem hatte ich bemerkt, dass ich starkes Sodbrennen hatte, und deshalb einfach mal einen Schwangerschaftstest gemacht.

Bis dahin hatte niemand vom Kartenspiel aufgeschaut oder war sonderlich interessiert gewesen. Es klang alles so beiläufig.

Dann schob ich schnell und irgendwie leise hinterher, dass der Test positiv gewesen war.

Alle brauchten ein paar Sekunden, um das zu verarbeiten. Und dann stürmten sie plötzlich auf mich zu, um mich zu umarmen. Es war ein überwältigendes Gefühl, es endlich laut auszusprechen und mit ihnen zu teilen. Es war richtig schön und machte das Ganze auch wieder ein Stück realer.

Gleichzeitig war es ein ziemlich komisches Gefühl, weil meine eigene Familie zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts wusste. Und jetzt saß ich hier mit meinen Freundinnen und erzählte ihnen, dass ich schwanger war. Plötzlich wussten fünf Menschen etwas über mein Leben, das ich zu Hause noch für mich behielt. Irgendwie fühlte sich das seltsam an.

Aber ich war erleichtert, es endlich ausgesprochen zu haben.

Wir sehen uns so selten alle zusammen, und ich hätte dieses Wochenende wirklich nicht verpassen wollen. Auch wenn sich für mich gerade vieles veränderte, wollte ich nicht auf meine Freundinnen verzichten, mit denen ich schon so viele gemeinsame Erinnerungen und Meilensteine geteilt hatte.

Der Rest des Wochenendes war richtig gemütlich.

Tisch mit Milchreis in mehreren Schüsseln, Bananen, Marmelade und weiteren Frühstückszutaten in einer gemütlichen Berghütte.
FOTO VON LILITH

Statt eines Wochenendes mit Prosecco gab es Kartenspiele, Einkuscheln und Milchreis zum Frühstück.

Alles war ein bisschen ruhiger als sonst, und irgendwie passte das gerade perfekt. Wir hatten ein richtig schönes Wochenende, und ich genoss es, seit Langem mal wieder ein paar Tage einfach mit meinen Freundinnen zusammen zu sein. Auch wenn ich so kaputt war.

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