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Mein erster Frauenarzttermin stand an. Ich war mittlerweile in der 8. Schwangerschaftswoche und nach den letzten Wochen, in denen ich eigentlich nur diesen positiven Test und meine eigenen Gedanken dazu hatte, war ich ziemlich nervös.
Mein Freund und ich fuhren am Morgen zur Frauenärztin. Die Wartezeit im Wartezimmer betrug nur ein paar Minuten, kam mir aber ewig lang vor. Ich war selten so aufgeregt. Doch dann beim Termin endlich die Erleichterung: Das Baby lebte und entwickelte sich. Da war tatsächlich etwas. Ein kleines Wesen, das gerade in mir wuchs. Es sah aus wie ein kleiner Gummibär. Mit kleinen Armansätzen und Beinen. Und einem Herzschlag. Jetzt schon. Verrückt. Und obwohl ich natürlich wusste, dass ich schwanger war, fühlte es sich dadurch endlich real an.
Anschließend folgte ein langes Gespräch mit der Frauenärztin, das ich ähnlich wie meine Google-Sessions informativ und gleichzeitig auslaugend fand. Frauenärztin: „Nehmen Sie Schwangerschaftsvitamine?“ Ich: „Nein.“ (Ich hatte ja gar nicht geplant, schwanger zu werden.) Schockierte Stimmung im Raum. Frauenärztin: „Oh je, das sollten Sie unbedingt. z. B Folsäure usw.“ Und sofort begann eine Art Aufzählung:
Wenn Sie dieses nicht tun, schaden Sie dem Baby. Wenn Sie jenes nicht einnehmen, schaden Sie dem Baby … Puh.
Des Weiteren gab es eine allgemeine Aufklärung zu Alkohol, Kaffee, Zigaretten, Cannabis und jeglichem anderen Konsum. Aber nicht nur der Verzicht war Thema, sondern auch, was ich aktuell am besten zu mir nehmen sollte: welche Lebensmittel und Nährstoffe. Außerdem wurde besprochen, was wir künftig alles testen würden. Also kam ich anschließend noch in ein anderes Zimmer zur Blutabnahme und musste natürlich direkt den nächsten Termin vereinbaren. Es waren so viele Dinge auf einmal. Ich empfand das als leichte Überforderung. Mit meinem Praktikum, dem Anspruch, 40 Stunden zu schaffen, und meiner ständigen Müdigkeit fragte ich mich außerdem: Wie sollte ich all die Termine gut um die Arbeit herum planen?!
Und dann stand auch schon das nächste Treffen mit Freunden an. In der Bar, in der ich gearbeitet hatte.
Schließlich kam jetzt der Winter: Bar statt Isar.

Wieder eine Situation, in der ich keinen Alkohol trinken würde. Und plötzlich fragte ich mich: Fällt es eigentlich auf, dass ich nicht trinke?
Denn so langsam wurde es anstrengend, irgendwelche Situationen zu vermeiden oder mir Ausreden auszudenken. Ich sagte Verabredungen teilweise wegen meiner Müdigkeit ab. Und die Müdigkeit war auch wirklich da. Ich war ständig müde. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst war, hatte ich unterbewusst oft auch einfach keine Lust.
Keine Lust darauf, irgendwo zu sitzen, während alle anderen trinken und rauchen und ich daneben sitze. Auch die fragenden Blicke gingen mir langsam auf die Nerven. Und irgendwie auch die Erkenntnis, wie viel von meinem bisherigen Leben eigentlich genau daraus bestanden hatte.
Mein Freund und ich waren uns eigentlich immer sicher gewesen, dass wir Kinder wollten. Bald. Also hätte ich eigentlich einfach nur glücklich sein sollen. Stattdessen bestand mein Alltag plötzlich nur noch aus Recherchieren, Schlafen, Essen zum Zweck und Arbeit. Dabei hatte ich mich eigentlich so auf das Praktikum gefreut, unter anderem, weil es dort lag, wo ich auch wohnte und ich endlich mal nicht pendeln musste. Endlich Verabredungen direkt nach der Arbeit, ganz entspannt.
Alles wirkte so fad und langweilig!
Alles, was irgendwie regulierte, entspannte oder einfach zum bisherigen Alltag dazugehörte, war plötzlich nicht mehr möglich oder zumindest nicht mehr so einfach oder in genau der Form. Zum Beispiel meine zehn Kaffees, die ich gerne so über den Tag hinweg trank. Oder spätes Essen. Das Sodbrennen war teilweise unvorstellbar.
Es fühlte sich so an, als würde einem gerade jeder „Spaß“ genommen. Kaffee, Alkohol, Zigaretten, Weed und irgendwann las ich sogar, dass man bei dunkler Schokolade wegen des Koffeinanteils ein bisschen aufpassen sollte.
Und was bekam ich stattdessen?
Müdigkeit. Übelkeit. Pickel. Akne wie in der Pubertät. Meine ganzen Hautcremes vertrug ich plötzlich nicht mehr. Schwangerschaftsneurodermitis.
Nur noch am Googeln: Was darf man, was ist wie …?!
Teilweise saß ich da und dachte wirklich: Was genau soll daran gerade eigentlich schön sein?
Natürlich wusste ich, dass es einen Grund dafür gab. Ich wusste, dass mein Körper gerade etwas völlig Verrücktes machte und dass dieses kleine Wesen in mir all diese Veränderungen verursachte. Meine Frauenärztin sagte mir, die ersten Monate seien wie dauerhaft Hochleistungssport zu betreiben. Aber das machte es nicht automatisch angenehmer.
Vielleicht war genau das eines der schwierigsten Dinge an den ersten Wochen. Nicht, dass ich plötzlich wusste, dass ich Mutter werden würde. Zumal das an sich völlig ungreifbar war. Sondern dass sich mein bisheriges Leben schon veränderte, obwohl es für alle anderen noch ganz normal weiterlief.
Ich wusste noch nicht, wie mein Leben mit Baby aussehen würde. Ich wusste nur, dass ich gerade auf ziemlich viel verzichtete.
Und trotzdem wollte ich alles einfach perfekt machen. Essen, Schlaf, Trinken, Ruhe, ein stimuliertes Nervensystem, Liebe …!


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