Diesen Beitrag anhören (Sprachausgabe KI-generiert).
Zwei Wochen war es her, dass ich diesen positiven Schwangerschaftstest in der Hand gehalten hatte. Zwei Wochen, in denen ich eigentlich noch gar nicht richtig verstanden hatte, was da gerade passierte. Und gleichzeitig lief mein normales Leben einfach weiter. Mein Pflichtpraktikum für die Uni hatte gerade erst begonnen und ich musste morgens weiterhin aufstehen, zur Arbeit fahren und irgendwie versuchen, mich auf das zu konzentrieren, was ich dort eigentlich machen sollte. Nur dass ich jetzt bei allem im Hinterkopf hatte: Ich bin schwanger.
Und dann stand auch noch die Wiesn vor der Tür. Mit der Arbeit. Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt: Muss ich da jetzt wirklich hin?
Die Wiesn war für mich eigentlich immer mit Alkohol, langen Abenden und viel Trubel verbunden. Ich arbeitete schließlich selbst in der Nachtgastronomie und war es gewohnt, dass Alkohol und Feiern irgendwie ganz selbstverständlich zusammengehörten. Jetzt war ich schwanger und ich hatte natürlich beschlossen, komplett auf Alkohol, Gras und Zigaretten zu verzichten.
Ich überlegte also, ob ich den Wiesn-Besuch einfach absagen sollte?
Immerhin wusste noch niemand von der Schwangerschaft und ich hätte wahrscheinlich auch irgendeine Ausrede gefunden. Aber eigentlich wollte ich auch nicht absagen.
Mir gefiel die Firma, bei der ich mein Pflichtpraktikum angefangen hatte, bisher wirklich gut. Und ich hoffte insgeheim, dass sich daraus vielleicht sogar eine Anstellung nach dem Praktikum ergeben könnte. Umso mehr, weil es als Mutter immer schwerer ist, einen Job zu finden.
Allerdings war mir überhaupt nicht nach privaten Gesprächen nach der Arbeit. Nicht, weil ich keine Lust darauf hatte, die anderen kennenzulernen, oder weil sie mir nicht sympathisch waren, sondern weil ich auf so viele Fragen keine Antwort hatte.
„Willst du noch einen Master machen?“
„Was hast du nach dem Bachelor so vor?“
„Über was möchtest du deinen Bachelor schreiben?“
Normalerweise stören mich solche Gespräche überhaupt nicht. Ich quatsche gerne und höre auch sehr gerne zu, was andere in ihrem Leben für Erfahrungen, Pläne und Interessen haben. Nur waren all diese Fragen in meinem Kopf genau die Fragen, die mir aktuell Angst machten und die ich mir selbst nicht beantworten konnte.
Außerdem würde ich meine Schwangerschaft irgendwann bekannt geben müssen und ich mag es nicht, dann das Blaue vom Himmel gelogen zu haben. Trotzdem, die Firma war klasse und ich wollte mich integrieren. Also entschied ich mich, mitzugehen.
Ein paar Tage später stand ich tatsächlich auf der Wiesn.
Wir gingen auf die „Oide Wiesn“ und meine Kollegen gaben mir das Gefühl, eher ruhig unterwegs zu sein, was mich schon mal etwas beruhigte.

Schon auf dem Weg dorthin begannen die Gespräche und ich erzählte, dass ich normalerweise in der Nachtgastronomie arbeitete. Und während ich das erzählte, kam ich mir irgendwie komisch vor. Jemand, der in der Gastro arbeitet, nicht raucht, nicht trinkt. Ungewöhnlich, oder?
Ich wich den Fragen zum Trinken und Feiern in Kombination mit dem Studium etwas aus. Gefragt wurde, ob es nicht anstrengend sei, dort am Wochenende und auch unter der Woche zu arbeiten und gleichzeitig zu studieren. Ich sagte, dass ich seit einer Weile kaum mehr trank, da es sonst genau aus diesem Grund einfach zu viel wurde. Außerdem war ich mittlerweile 29 und, um ehrlich zu sein, war das auch nicht gelogen. Es arbeitete sich mit Alkohol bis 4 Uhr morgens einfach nicht mehr genauso wie Anfang 20.

Angekommen auf der Wiesn wurden erst einmal ein paar Vorspeisenplatten bestellt und natürlich trank jeder ausnahmslos Alkohol. Selbst diejenigen, die erzählten, dass sie so gut wie nie tranken, bestellten mindestens ein Radler.
Ich kam mir so komisch vor, als ich sagte: „Eine Apfelschorle, bitte.“
Wie so ein Spaßverderber. Denn wenn man mal Alkohol trank, dann ja wohl jetzt. Sahen ja auch alle anderen so.
Glücklicherweise war das Team absolut nicht die Art von Leuten, die einen schräg ansahen, weil man nichts bestellte, oder einen vielleicht sogar noch versuchten zu motivieren. Die Einzige, die sich wahrscheinlich so bescheuert vorkam, war ich.
Ich war noch nie komplett nüchtern im Zelt auf der Wiesn gewesen.
Hat das irgendjemand überhaupt schon mal gemacht? Aber auf das Essen freute ich mich dafür umso mehr! Das würde dann eben mein Highlight werden für diesen Wiesn-Besuch.
Da ich eher versuchte, persönlichen Gesprächen, hauptsächlich über mich, auszuweichen und weder trinken noch rauchen konnte, war es ein bisschen langweilig. Aber „zum Glück“ ist so eine Schwangerschaft in den ersten Wochen besonders anstrengend und deshalb war ich auch einfach hundemüde. Nach einem langen Arbeitstag in einer Firma, in der ich erst begonnen hatte, und dem anschließenden Ausflug hatte ich eigentlich schon nach einer Stunde das Gefühl, auf dem Biertisch einschlafen zu können.
Ob das normal ist? Dass man so müde ist?
Nach dem Mittagessen war mir einfach der Kopf einmal auf die Tastatur gefallen, weil ich mich kaum mehr wach halten konnte. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich war dabei. Aber irgendwie auch nicht.
Und während ich versuchte, mich immer mal wieder halbherzig an Gesprächen zu beteiligen, dachte ich gleichzeitig immer wieder an meinen ersten Frauenarzttermin. Denn so richtig real würde die Schwangerschaft für mich wahrscheinlich erst werden, wenn jemand anderes sie bestätigte. Bis dahin hatte ich eigentlich nur diesen Test mit zwei Strichen und einen Freund, dem es genau so ging.
Ich hatte außerdem Freunde, die schon mal einen Abgang hatten, und auch dieser Gedanke kam ab und an in mir hoch. Schließlich endet etwa jede fünfte Schwangerschaft in den ersten drei Monaten mit einer Fehlgeburt.
Und genau deshalb war ich auch ziemlich nervös vor dem ersten Frauenarzt Termin.
Was würde man sehen? Würde man überhaupt schon etwas sehen? Und vor allem: Würde alles in Ordnung sein?
Nach all den Gedanken über das, was ich in den ersten Wochen getrunken, geraucht und konsumiert hatte, wollte ich einfach nur hören, dass mein Baby da war und sich normal entwickelte. Bis dahin musste ich mich wohl oder übel gedulden.
Ausgelaugt von diesem langen Tag endete meine erste Wiesn ohne Alkohol dann auch deutlich früher, als ich es von mir selbst gewohnt war. Ich verabschiedete mich gegen 22 Uhr und fuhr nach Hause.
Ein Abend auf der Wiesn ohne Alkohol und Zigaretten. Ich hatte es tatsächlich geschafft, mitzugehen, und war irgendwie stolz auf mich. Aber es war der erste von vielen Abenden, an denen ich lernen musste, mein bisheriges Leben irgendwie neu zu erleben.


0 Kommentare zu “Die erste Wiesn ohne Alkohol”