Über drei Jahre Stillen – mein Rückblick auf unsere Stillbeziehung

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Ich habe meinen Sohn lanzeitgestillt. Wenn ich an unsere Stillbeziehung zurückdenke, bin ich dankbar und auch erleichtert. Ein kleines bisschen Wehmut spielt auch mit rein. Über drei Jahre Stillen – mein Rückblick auf unsere Stillbeziehung.

Dankbar bin ich, weil ich in meinem Leben die Möglichkeit bekommen habe, diese Erfahrung zu machen. Ganz ungeplant und spontan. Dankbar bin ich, dass Stillen sofort geklappt hat, und für diese engen Momente, wo es kaum engere geben kann, glaube ich.

Erleichtert bin ich, dass ich nicht mehr stille und meinen Körper größtenteils für mich zurück habe. Und wehmütig bin ich, weil ich ziemlich sicher kein zweites Kind bekommen werde und das Stillen nie wieder zurückkommen wird. Stillen ist endlich. Das wird mir gerade beim Schreiben bewusst.

Ich wusste eigentlich nichts über das Stillen

Ich war nicht die Mama, die sich ewig Kinder gewünscht hat. Vielleicht war dieser Wunsch unterbewusst da, aber bewusst auf jeden Fall nicht. Und über Mutterschaft oder Kinderkriegen, geschweige denn Stillen, wusste ich eigentlich nichts. Ich hatte auch in meinem Umfeld keine Familien.

Was für mich klar war, als ich schwanger war: Ich möchte diesen Weg möglichst nah an der Natur gehen. Selbstbestimmt, frei und natürlich. Dazu gehörte für mich eine Hausgeburt und dazu gehörte für mich auch das Stillen.

Ich hatte zum Glück eine super Hausgeburtshebamme, die mich sehr kraftvoll begleitet hat. Mein Sohn ist zu Hause geboren und das Stillen hat gleich gut funktioniert. So konnten wir sehr entspannt in unsere Stillbeziehung starten. Ich bin froh, dass ich das so zulassen konnte.

Mein Sohn hat nie einen Schnuller genommen und teilweise hat er wirklich ewig an meiner Brust herumgenuckelt. Ich musste erst lernen zu unterscheiden: Wann trinkt er überhaupt noch und wann ist es nur noch Dauernuckeln? Ich erinnere mich noch daran, dass meine Hebamme mir damals die Kieferbewegung gezeigt hat, auf die ich achten sollte, um zu erkennen, ob er tatsächlich trinkt.

So viel Nähe hatte ich noch nie erlebt

Ich hatte mit noch keinem Menschen so eine enge Beziehung wie mit meinem Sohn. Emotional, aber auch körperlich. Mich hat dieses Bild immer sehr berührt, wenn mein Sohn an meiner Brust geschmatzt, sich an mich angekuschelt hat und einfach zufrieden und satt war.

Mein Sohn ließ sich als Baby nie ablegen. Das erste halbe Jahr hatte ich ihn ziemlich durchgehend in der Trage vor mir an meinem Bauch oder auf mir. Eigentlich wechselte es sich ständig ab: Tragen, stillen, wieder tragen.

Ich war sehr overtouched.

Etwas, das mich am Stillen wirklich überfordert hat, war, meinen Körper zur Verfügung stellen zu müssen, obwohl ich in dem Moment teilweise überhaupt nicht bereit dafür war. Mein Körper hat sich dadurch oft fremdbestimmt angefühlt und damit hatte ich eigentlich die ganze Stillbeziehung über ein Thema.

Besonders gemerkt habe ich das nachts. Mein Körper und mein ganzes System wollten einfach schlafen, während mein Sohn gestillt werden wollte. Gleichzeitig war das Stillen für uns ein super Tool zur Co-Regulation. Er ließ sich damit beruhigen und meistens auch sehr gut wieder zum Schlafen bringen.

Trotzdem habe ich nachts wirklich überhaupt nicht gerne gestillt. Teilweise bin ich beim Stillen eingeschlafen, weil ich einfach so erschöpft war. Ich erinnere mich daran, dass ich kaum einmal zwei Stunden am Stück geschlafen habe und mein Sohn vermeintlich ständig an die Brust wollte.

Irgendwann wollte ich nachts nicht mehr stillen

Als mein Sohn ungefähr anderthalb Jahre alt war, entdeckte ich in den sozialen Medien eine Stillberaterin und folgte nach und nach einigen ihrer Tipps.

Unter anderem habe ich angefangen, Stillen und Bett voneinander zu entkoppeln. Ich wollte ihn nicht mehr in den Schlaf stillen und ich wollte auch nicht mehr, dass er nachts aufwacht und meine Brust möchte.

Und tatsächlich hat das erstaunlich gut funktioniert. Nachdem wir das Stillen vom Schlafen entkoppelt hatten, schlief er mit ungefähr anderthalb Jahren meistens durch.

Als er in die Kita kam, wurden die Stillmomente dann automatisch weniger. Wir stillten noch morgens, nach dem Abholen und noch einmal abends.

Stillen war längst nicht mehr nur Nahrung

Gegen Ende unserer Stillzeit kam irgendwann gar nicht mehr so viel Milch und ich habe mich teilweise gefragt: Bekommt er überhaupt noch irgendwas?

Aber ich glaube, zu diesem Zeitpunkt ging es beim Stillen sowieso um viel mehr als nur die Milch. Es war Nähe, Beruhigung und Nuckeln.

Überhaupt ist es schon Wahnsinn, welche Reise man beim Stillen gemeinsam mit seinem Kind macht. Ich hatte zum Glück nie einen Milchstau. Dafür hatte ich entzündete Brustwarzen und das tat wirklich weh. Mit entzündeten Brustwarzen trotzdem zu stillen. Später kamen die ersten Zähne und wir mussten erst einmal gemeinsam lernen, dass er beim Stillen nicht zubeißt oder zwickt.

An die entzündeten Brustwarzen hatte ich bis gerade eben schon wieder überhaupt nicht mehr gedacht.

Plötzlich wurde das lange Stillen belächelt

Stillen in der Öffentlichkeit war für mich nie ein großes Thema. Eine befreundete Mama hat mir einmal gesagt, dass sie nicht in der Öffentlichkeit stillen möchte. Für mich war das anders. Ich fand Stillen immer etwas total Natürliches und deshalb habe ich meinen Sohn überall gestillt.

Umso schwieriger fand ich es, dass ich später in der Kita dafür belächelt wurde, dass ich meinen Sohn noch stille. Dort wurde sogar gesagt, dass ihm die Trennung vielleicht auch deshalb so schwerfallen würde, weil ich ihn noch stille. Das hat mich schon sehr getroffen.

Mein naturheilkundlicher Arzt in Freising hatte mir dagegen immer gesagt: „Stillen Sie so lange, wie es geht. Solange Sie können.“

Ich finde es schade, dass in der Mitte unserer Gesellschaft nicht viel selbstverständlicher ist, dass Kinder auch länger als ein paar Monate gestillt werden. Weil es für mich das Natürlichste der Welt ist.

Irgendwann wollte ich meinen Körper zurück

Der Wunsch abzustillen kam bei mir während der Ferien zwischen Kita und Kindergarten. Wir hatten fast sechs Wochen Ferien und ich war mit meinem Sohn die ganze Zeit alleine.

Ich habe einen sehr aktiven und sehr reizoffenen Sohn, der mich sehr fordert, und in diesen Wochen war ich einfach am Limit.

Da habe ich gemerkt: Ich möchte nicht mehr stillen.

Nicht, weil ich dachte, dass Stillen ihm nicht mehr guttut. Und auch nicht, weil ich fand, dass er inzwischen zu alt dafür ist. Sondern aus Erschöpfung. Aus dem Gefühl heraus: Ich brauche jetzt Raum für mich.

Und mein Körper war eigentlich der einzige Raum, den ich zurückgewinnen konnte.

Wie das Abstillen dann genau ablief, weiß ich gar nicht mehr. Ich habe meinem Sohn gesagt, dass ich nicht mehr möchte, und ihm stattdessen Wasser und Kuscheln angeboten.

In meiner Erinnerung hat er das relativ gut angenommen.

Eine Bekannte hatte mir erzählt, dass sie ihrem Kind gesagt hat, ihre Brustwarzen würden wehtun, und Pflaster darüber geklebt hat, um abzustillen. Das hat sich für mich nicht stimmig angefühlt.

Ich wollte meinem Sohn einfach ehrlich sagen: Hey, ich möchte nicht mehr.

Heute kuscheln wir stattdessen

Die Wehmut über das Ende unserer Stillbeziehung kam bei mir eigentlich erst im Rückblick. Wahrscheinlich auch, weil sich im Nachhinein die schmerzhaften und harten Sachen relativieren und man manches idealer sieht, als es tatsächlich war.

Ich bin schon erleichtert, dass ich nicht mehr stille.

Die Nähe ist deshalb aber nicht verschwunden. Das Stillen morgens und abends wurde durch Kuscheln morgens und abends ersetzt. Wir haben immer noch sehr viel Nähe. Sie ist einfach anders.

Stillen gehört für mich in die Mitte der Gesellschaft

Ich freue mich heute immer, wenn ich eine Mama sehe, die ihr Kind stillt. Ganz besonders freue ich mich, wenn es ein älteres Kind ist.

Ich glaube, Stillen ist für jedes Kind ein Geschenk, wenn die Mama es gerne macht. Und gleichzeitig glaube ich, dass Stillen auch nur so lange positiv ist, solange man es wirklich gerne macht. Letztendlich darf da jede Mama auf sich schauen.

Ich höre immer wieder: Stillen hat nicht geklappt, also geben wir das Fläschchen. Und ich frage mich manchmal, ob Mamas an dieser Stelle wirklich ausreichend begleitet werden oder ob teilweise zu schnell aufgegeben wird.

Beim Start des Stillens habe ich mich sehr gut unterstützt gefühlt. Ich hatte sogar zwei Hebammen an meiner Seite. Wenn die Betreuung durch die Hebammen irgendwann ausläuft, ist man aber eigentlich auf sich allein gestellt. Man kann sich mit anderen Eltern austauschen oder entsprechende Kurse besuchen.

Aber letztendlich ist man allein in seinem Kosmos.

Vielleicht hätte ich deshalb rückblickend früher eine Stillberaterin hinzugezogen. Nicht weil unsere Stillbeziehung nicht funktioniert hat, sondern damit sie möglichst entspannt sein kann. Für Mama und Kind. Es gibt einige Stellschrauben.

Aber Veränderung kostet auch immer Kraft. Und dafür brauchen wir ein unterstützendes Umfeld, das diese Veränderung mitträgt. Besonders alleinerziehende Mamas wie ich. Ich war halt einfach ganz alleine mit meinem Sohn. Und dafür bin ich wirklich stolz drauf, wie gut wir das hinbekommen haben.

Über drei Jahre Stillen – mein Rückblick auf unsere Stillbeziehung

Würde ich mich noch einmal fürs Stillen entscheiden? Unbedingt.

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